Erkrankungen mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) gehören zu den häufigsten Virusinfektionen des Menschen. Die Erstansteckung verursacht bei Kindern und jungen Erwachsenen Pfeiffersches Drüsenfieber mit Symptomen wie Fieber, Lymphknotenschwellungen und Erschöpfungsgefühlen. Allerdings bekommen nur manche die Krankheit und andere nicht. Die Gründe waren bisher unklar. Die Medizinuniversität Wien hat eine Ursache entdeckt. Das Team um Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie und "Wissenschafterin des Jahres 2020", hat eine spezifische Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus identifiziert. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin "Blood" publiziert.

Die Vermehrung des EBV im Körper wird durch eine antivirale Immunantwort der T-Zellen bekämpft. Neben klassischen Mechanismen gibt es auch eine "nicht klassische" T-Zell-Antwort zur Zerstörung virusinfizierter Zellen. Hier werden den Antikörpern bestimmte Bestandteile des Virus, Peptide genannt, durch ein Molekül namens HLA-E auf der Oberfläche der infizierten Zellen präsentiert. Aufgrund einer Gen-Variation namens HLA-E*0103/0103 sind bei einem Drittel der Bevölkerung von Natur her mehr HLA-E Moleküle auf Zellen vorhanden.

Das Team berichtet, dass Personen mit HLA-E*0103/0103 seltener Pfeiffersches Drüsenfieber entwickeln als Menschen mit einer anderen Variante. Die Gen-Variante sei auch mit einer ausgeprägten EBV-spezifischen Immunantwort verbunden, die einen anhaltenden Schutz vor einer erneuten EBV-Infektion bietet. Somit könne es lohnen, den Mechanismus für die Entwicklung zukünftiger Impfstoffe ins Visier zu nehmen.