Krebspatienten in Österreich sind gut versorgt - die Innovationen kommen beim Menschen an. Mit diesem Ergebnis wartet der am Dienstag präsentierte "Österreichische Krebsreport 2023" auf. Zudem wären durch Vorsorgemaßnahmen 50 Prozent der Todesfälle in Europa vermeidbar, betonte Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe im Rahmen einer Pressekonferenz - sofern die zwölf in einem EU-Kodex gegen Krebs festgehaltenen Empfehlungen eingehalten werden.

"Wir dürfen sehr stolz sein, was in Österreich möglich ist, was in Österreich gelingt", betonte Wolfgang Hilbe, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Eine gute Prognose kann heute bei Hoden-, Schilddrüsen, Prostata- und Brustkrebs erreicht werden, erklärte Monika Hackl, Leiterin des Nationalen Krebsregisters. Das kumulierte relative Überleben drei Jahre nach der Diagnose liegt bei diesen Tumorarten bei 90,6 bis 96,6 Prozent. Eine signifikante Verbesserung konnte bei Krebsarten erzielt werden, die die Niere, Kopf und Hals oder den Magen betreffen. Am Ende des langen Spektrums finden sich Lungen-, Speiseröhren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch hier kam es im Zeitverlauf zu signifikanten Verbesserungen, betonte die Expertin. Das relative Überleben wird mit 30,2 bis 15,6 Prozent beziffert.

EU-Kodex mit Empfehlungen

"Jedem ist klar: Die beste Therapie gegen Krebs ist, ihn nicht zu bekommen", erklärte Sevelda. Deswegen formuliert der Krebsreport als Schwerpunkte die Vorsorge und die Früherkennung. An erster Stelle des entsprechenden EU-Kodex steht die Vermeidung der Fettleibigkeit. Es folgen Impfempfehlungen gegen HPV, Hepatitis B und C. Nikotin und übermäßiger Alkoholkonsum sollten vermieden werden. Die Teilnahme an Früherkennungs-Untersuchungen etwa von Brust, Dickdarm und Gebärmutterhals sind ausdrücklich empfohlen.

Dass Innovation beim Menschen ankommt, skizzierte der Onkologe Ansger Weltermann. So seien in den letzten fünf Jahren weit über 100 Medikamente neu zugelassen worden. Um diese vergleichbar zu machen, habe die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) ein eigenes Verfahren entwickelt. "Wenn hohe Evidenz für einen Vorteil besteht, dann schauen wir, dass die Medikamente auch zum jeweiligen Patienten kommen", betonte der Mediziner. Aufholbedarf gebe es allerdings in der Kommunikation mit dem Patienten, merkte Weltermann an. Denn es sei von großer Bedeutung, die Ausführungen des Arztes auch zu verstehen, dass Betroffene selbst Therapieentscheidungen treffen können.

Auch die Forschung hat Vollgas gegeben. Denn, um Fortschritte erzielen zu können, bedarf es Innovation. Im Jahr 2021 haben heimische Wissenschafter die Summe der Originalarbeiten in onkologischen Fachmagazinen von 670 im Jahr 2020 auf 724 gesteigert. Der Fokus richte sich hin in Richtung Präzisionsmedizin, erklärte Armin Gerger, wissenschaftlicher Leiter des Krebsreports. Patienten könnten damit individuell betreut werden.

Kein Mangel an Medikamenten

Der Österreichische Krebsreport ist heuer zum zweiten Mal erschienen. Im Vorjahr war der Schwerpunkt auf die Covid-19-Pandemie gelegt worden und welche Konsequenzen es für die Krebsversorgung gab.

In der Pressekonferenz wurden die Experten auch mit einem brisanten aktuellen Thema konfrontiert - dem Medikamentenmangel. Im Gegensatz zu Antibiotika gebe es im onkologischen Bereich derzeit keine Lieferengpässe. Im Gegensatz zur Infektsituation hätten wir im Bereich der Krebserkrankungen diese Problematik nicht, hieß es.(gral)