Einerseits seien gut fünf Prozent der Bevölkerung auch ohne Impfung immun (etwa nach einer überwundenen stillen FSME-Infektion). Andererseits greife der Impfschutz auch nicht bei jedem hundertprozentig: "Ein Kollege musste seinerzeit siebenmal geimpft werden, bis der Titer passte", so der Pharmamitarbeiter. Die heutigen Impfstoffe seien zwar viel besser als früher, "ganz risikolos sind sie aber sicher nicht".

Auch geimpft aufpassen

Freilich gibt auch Kinderarzt Schmitzberger zu, dass "kein Impfstoff hundertprozentig nebenwirkungsfrei" ist. Im Fall von FSME spreche allerdings die Kosten-/Nutzen-Rechnung "eindeutig für den Impfstoff". Und was die Bestimmung des Titers betrifft, "so würde ich mich darauf auch nicht zu hundert Prozent verlassen". Zumal es ja passieren kann, dass der Bluttest zeigt, dass tatsächlich schon eine Auffrischung nötig ist. Und dann sind nicht nur die 8 bis 10 Euro fürs Labor zu bezahlen, sondern auch die 26 Euro für den Impfstoff (22 Euro für Kinder; die verschiedenen Krankenkassen schießen zwischen 2 und 16 Euro zu, das Impfen selbst ist im Kassenambulatorien gratis, beim Arzt kostet es 13 Euro).

So oder so ist es mit der FSME-Auffrischung allein aber nicht getan. Denn Zecken - sowie alle anderen Blutsauger - können auch Borreliose übertragen. Gegen deren Bakterien gibt es bei uns nach wie vor keine wirksame Präventionsimpfung. "In den USA hat man einen Impfstoff dagegen entwickelt, der ist aber nicht gegen die Erreger in Europa einsetzbar", heißt es seitens des PEI.

Mit Antibiotika ist Borreliose zwar grundsätzlich heilbar, die Früherkennung ist jedoch problematisch: Die typischen roten Flecken treten nicht bei jedem Betroffenen auf. Dazu kommt, dass sich die Erreger nach einer gewissen Zeit in den Organen festsetzen, diese schädigen und dort dann für Antibiotika sehr schwer zu erreichen sind.

Wissen

Die Immunisierung gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erfolgt mittels Totimpfstoff (aus toten Erregern). Nebenwirkungen sind dadurch selten, allerdings lässt der Impfschutz mit der Zeit nach und muss daher aufgefrischt werden. Der Titer im Blut gibt Aufschluss über den Immunisierungsgrad.