Wenn keine Cyanobakterien auftreten, bietet die Ostsee heuer gute Badewasserqualitäten. - © honorarpflichtig
Wenn keine Cyanobakterien auftreten, bietet die Ostsee heuer gute Badewasserqualitäten. - © honorarpflichtig

Berlin. "Ich bin in diesem Jahr noch gar nicht im Stechlin gewesen", meint Peter Casper nachdenklich. Dabei gilt dieser See vor seinem Labor wegen der hervorragenden Wasserqualität in Brandenburg nicht nur als beliebter Badesee, sondern gehört auch zu seinem Forschungsgebiet. Der Mikrobiologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) untersucht die Mikroorganismen und Nährstoffe in Seen Nordostdeutschlands. Beides aber hat viel mit der Gewässergüte von Badeseen zu tun. Und der Stechlin rangiert in der Spitzengruppe mitteleuropäischer Seen.

Wenn Behörden im Rahmen der EU die Gewässergüte solcher Badeseen, Flüsse und Meeresküsten bestimmen, messen sie etwa, wie trüb das Wasser ist. Diese Trübung hängt häufig von Mikroorganismen und Nährstoffen ab. So brauchen Bakterien und Algen bestimmte Nährstoffe, von denen Phosphor früher in vielen Gewässern Mangelware war.

Das hat sich geändert, seit der Mensch aktiv wurde. So enthalten Fäkalien relativ viel Phosphor, Bauern düngen ihre Äcker, Waschmittel enthielten früher einige Phosphorverbindungen, und auch die Industrie setzt solche Substanzen häufig ein. Im Abwasser oder mit dem Regen werden diese in die Gewässer geschwemmt.

Dort beginnt dann eine Art Jo-Jo-Spiel, so Casper: Wenn am Ende des Winters das Eis auf den Seen schmilzt, sind relativ viele Nährstoffe im dann recht klaren Wasser, aber nur wenige Mikroorganismen. Gibt es viele Phosphorverbindungen, vermehren sich Algen in der Frühlingssonne rasch, und das Wasser trübt sich. Bald vermehren sich Kleinkrebse, fressen die Algen kahl und der See wird wieder klar. Jetzt hungern Heerscharen von Minikrebsen, viele von ihnen sinken tot zum Grund und nehmen dabei die Phosphorverbindungen in ihrem Organismus mit in die Tiefe. In den oberen Wasserschichten wachsen die Algen wieder weiter, bald vermehren sich auch die Krebschen wieder und das Jo-Jo-Spiel beginnt von Neuem.

Das Ganze geht so lange weiter, bis Phosphorverbindungen knapp werden, weil viele tote Organismen diese Substanzen am Grund abgelagert haben. Meist passiert das aber nicht dauerhaft, weil Mikroorganismen die toten Zellen zersetzen. Dabei verbrauchen sie den Sauerstoff in der Tiefe, der von oben nur sehr langsam nachkommt. Ohne Sauerstoff ändert sich aber die Chemie in den Sedimenten, Phosphor gelangt wieder ins Wasser, steht als Nährstoff wieder zur Verfügung, und der Kreislauf startet erneut.