Wien. (est) Wer an ein vergangenes Erlebnis denkt, dem gehen plötzlich auch noch andere Erinnerungen im Kopf herum. Etwa kann der Gedanke an den köstlichen Heidelbeerkuchen der Großmutter Bilder einer unbeschwerten Sommerjause in ihrem Garten wachrufen, die jäh durch einen Regenguss beendet wurde.

Die psychologische Theorie des episodischen Gedächtnisses, wonach das Gehirn nicht nur einzelne Ereignisse sondern auch damit in Verbindung stehende Geschehnisse abspeichert, konnten US-Neurologen nun erstmals nachweisen. Den Forschern zufolge helfen diese Zusatzinformationen dabei, ähnliche Erlebnisse zu unterscheiden. Erinnern wir uns an eine bestimmte Begebenheit, stellen wir auch zeitlich verwandte Informationen wieder her. "Es ist wie geistiges Zeitreisen", beschreibt Studienautor Michael Kahana den Prozess.

Für ihre im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" publizierte Studie führten die Forscher der University of Pennsylvania Untersuchungen an 69 Epilepsie-Patienten durch.

Es wurden ihnen 50 bis 150 Elektroden in ihre Gehirne eingesetzt mit dem Ziel, den Ursprung der epileptischen Anfälle zu orten. Danach betrachteten die Testpersonen mehrere Listen, auf denen je 15 unterschiedliche Worte geschrieben standen, die sie sich einprägen sollten. Als Ablenkung mussten sie eine mathematische Aufgabe lösen und danach so viele Wörter wie möglich in beliebiger Reihenfolge wiederholen. Die Elektroden zeichneten unterdessen die Gehirnaktivität auf.

Die Aufzeichnungen zeigten dieselben Muster beim Wiederholen eines Wortes, wie es beim Einprägen der Fall gewesen war. "Tendenziell prägen sich Menschen benachbarte Worte der Reihe nach ein. In der Abfolge variierten die Muster von Wort zu Wort kaum, jedoch im Vergleich vom ersten bis zum letzten Wort stark", so die Forscher.

Ein erinnertes Ereignis rufe also erwiesenermaßen eine neuronale Signatur des zeitlichen Umfelds hervor und somit zeitnahe Gedanken und Erlebnisse.