Wien.

Zigaretten machen krank, aber auch schlank. - © Erwin Wodicka - BilderBox.com
Zigaretten machen krank, aber auch schlank. - © Erwin Wodicka - BilderBox.com
Was viele Raucher vom Aufhören abhält: Dämpft man die letzte Zigarette aus, werden die Kilos auf der Waage mehr. Die durchschnittliche Gewichtszunahme beträgt immerhin vier bis sechs Kilogramm. Im Experiment mit Mäusen hat nun eine US-amerikanische Forschergruppe herausgefunden, wie Nikotin über bestimmte Rezeptoren im Gehirn den Appetit zügelt - damit quasi ein Sättigungsgefühl entsteht.

Die Neurobiologin und Psychiaterin Marina Picciotto an der Yale University in New Haven hatte mit ihrem Team eigentlich ein mögliches Medikament gegen Depressionen untersucht. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass die Mäuse weniger fraßen, wenn sie das Mittel bekamen. Es handelte sich um das dem Nikotin ähnliche Cytisin.

Dieselbe Wirkung ließ sich dann auch mit Nikotin erzielen. Die Mäuse fraßen um die Hälfte weniger als ihre unbehandelten Artgenossen und setzten deutlich weniger Körperfett an. Innerhalb von 30 Tagen verloren sie sogar zwischen 15 und 20 Prozent ihres Körperfetts.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Suchtwirkung des Nervengifts über das Belohnungszentrum im Gehirn zustande kommt. Doch nun stellte sich heraus, dass Nikotin über denselben Schaltkreis im Hypothalamus satt macht, der gewöhnlich von den Signalen aus dem Verdauungstrakt beeinflusst wird.

Die verabreichte Substanz aktivierte einen Nikotinrezeptor - nämlich Alpha-3-Beta-4 -, der wiederum eine Gruppe von Nervenzellen - die POMC-Zellen - anregte, die den Appetit der Nager bremsten. Mäuse ohne diesen POMC-Komplex verloren kein Gewicht, wenn sie Nikotin bekamen. Auch der Appetit war gleich groß wie bei den unbehandelten Artgenossen. Der Effekt an den Nervenzellen dürfte allerdings nicht allein dafür verantwortlich sein, dass Raucher im Durchschnitt einen niedrigeren Body-Mass-Index als Nichtraucher haben. Auch die Wirkung des Nikotins auf den Energiestoffwechsel des Menschen wird von den Wissenschaftern dafür verantwortlich gemacht, dass Raucher zunehmen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören.

Übergewicht bekämpfen


Die jüngst in der Fachzeitschrift „Science” veröffentlichten Erkenntnisse könnten zu neuen Methoden der Rauchentwöhnung ohne anschließender Gewichtszunahme führen. Die Studie zeigt aber auch auf, dass es möglich sein könnte, die appetithemmende Wirkung des Nikotins ohne Suchtgefahr zu erreichen.

„Letztendlich wollen wir Menschen dabei helfen, ihr Gewicht zu halten, wenn sie die Angewohnheit aufgeben, und vielleicht auch Nichtrauchern helfen, die mit Übergewicht zu kämpfen haben”, stellt Picciotto fest. Die Wissenschafter sehen jetzt nämlich die Möglichkeit gekommen, entsprechende Medikamente entwickeln zu können, um etwa Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen zu kontrollieren.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der Todesopfer aufgrund des Rauchens übrigens pro Jahr weltweit auf insgesamt 5,5 Millionen. In Österreich sind jährlich ungefähr 15.000 Tote infolge von Nikotinkonsum zu beklagen.