Ein morgendliches Ritual überdenken. - © Lieson - Fotolia
Ein morgendliches Ritual überdenken. - © Lieson - Fotolia

Wien. Dass Raucher ein erhöhtes Krebsrisiko haben, ist bekannt. Besonders ungesund scheint allerdings die erste Zigarette am Tag umittelbar nach dem Aufstehen zu sein. Zumindest berichten das US-Forscher um Joshua Muscat vom Penn State College of Medicine in Hershey (Pennsylvania) im Fachmagazin "Cancer". Je nachdem, wie viel Zeit nach dem Aufstehen bis zum Konsum der ersten Zigarette vergeht, ist das Krebsrisiko unterschiedlich. Je kürzer diese Zeit ausfällt, umso höher die Gefahr einer bösartigen Erkrankung.

Einer Studie zufolge ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, bei Rauchern, die schon in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen ihre Nikotinsucht befriedigen, um 79 Prozent erhöht. Bei Studienteilnehmern, die bis zu 30 Minuten später zur Zigarette griffen, lag das erhöhte Risiko nur noch bei 31 Prozent. Die Daten stammen von rund 4700 Krebspatienten und 2800 gesunden Vergleichspatienten, die allesamt regelmäßige Raucher waren. Beim Gehirntumor- und Nackenkrebsrisiko zeigte sich ein ähnliches Bild.

Die Forscher sehen den Zeitpunkt der ersten Zigarette durchaus als Indikator für das individuelle Krebsrisiko. Raucher, die bereits unmittelbar nach dem Erwachen ihre Sucht befriedigen müssen, "haben einen höheren Nikotinlevel und möglicherweise auch mehr andere Toxine im Körper", erklärt Muscat.

Robert West vom britischen Krebsforschungszentrum glaubt, dass Morgenraucher besonders intensiv an der Zigarette ziehen, wie er auf BBC Online meint. Der Raucherbeginn in der Früh könnte ein besseres Maß für die Aufnahme von Giftstoffen sein als die absolute Anzahl der täglich konsumierten Glimmstängel.

Schutz für das Gehirn


Andere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Nikotin das Gehirn vor der Parkinson-Krankheit schützen kann. Diese überraschende Entdeckung kann die Wissenschaft zu neuen Möglichkeiten in der Behandlung der sogenannten Schüttellähmung führen. "Diese Studie wirft die Hoffnung auf eine mögliche neuroprotektive Behandlung von Patienten in einem sehr frühen Stadium der Krankheit oder sogar bevor die Erkrankung überhaupt diagnostiziert wurde", erklärt Patrick P. Mitchel, Co-Autor der Untersuchung, vom Institut du Cerveau et de la Moelle-Epiniere in Paris.

Neuroprotektion ist der Versuch, Nervenzellen und Nervenfasern durch pharmakologische oder molekularbiologische Methoden vor dem Absterben zu bewahren. Ziel ist die Verzögerung des Krankheitsverlaufs und einer daraus resultierenden Verbesserung der Lebensqualität.

Die Forscher zeigten in Versuchen mit Mäusen, dass durch Nikotin angeregte Rezeptoren offenbar dafür sorgen, Neuronen, die sonst absterben, zu erhalten. Die Ergebnisse wurden im "Faseb Journal" (Federation of American Societies for Experimental Biology) veröffentlicht.

Doch Gerald Weissmann, Chefredakteur des "Faseb Journal" warnt Raucher: "Auch wenn Nikotin vor Parkinson schützt, würden Sie nicht so lange leben, um die Krankheit überhaupt entwickeln zu können. Denn Rauchen erhöht das Risiko für tödliche Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Nun seien die Wissenschafter aber in der Lage, entsprechende Medikamente zu entwickeln.