Wien. Dass es zwischen dem modernen Menschen und dem Neandertaler zu Sex kam, gilt als bewiesen. Doch vermutlich war das nicht das einzige intime Zusammentreffen über Artgrenzen hinweg. Analysen von Immungenen weisen auf einen Austausch mit dem Denisova-Menschen hin. Wissenschaftern der Universität Stanford in Kalifornien zufolge hat Homo sapiens ihm seine köpereigene Abwehr zu verdanken.

Die Vorfahren des Neandertalers und seines Verwandten, des Denisova-Menschen, kamen vor 800.000 bis 400.000 Jahren aus Afrika nach Europa und Asien. Hier entwickelten sie sich zu eigenständigen Menschenformen, die bis vor 30.000 Jahren existierten. Der frühe moderne Mensch verließ seinen Heimatkontinent Afrika erst vor 80.000 bis 50.000 Jahren.

Haben sich die Menschenformen vermischt? 2010 konnte dies mit einem klaren "Ja" beantwortet werden, als Forscher Erbgut des Neandertalers und des Denisova-Menschen aus DNA-Resten in fossilen Knochen rekonstruieren konnten. Manche Menschen tragen bis zu vier Prozent Neandertaler-Erbgut und bis zu sechs Prozent aus dem Erbe des Denisova-Menschen.

Größere Population


Nun haben die Forscher auf die HLA-Gene geblickt, die eine wichtige Funktion im Immunsystem haben. Etwa sind sie entscheidend dafür, dass die körpereigene Abwehr zwischen eigenem und fremdem Gewebe unterscheiden kann. Der Vergleich der Gen-Varianten von Neandertaler und Denisova-Mensch mit jenen heutiger Bevölkerungsgruppen zeigte einschlägige Ähnlichkeiten nur bei Menschen außerhalb Afrikas.

Der Befund bestätigt also gängige Theorien, dass es erst nach der Auswanderung aus Afrika zu Rendezvous zwischen den Menschenformen kam. Ihre Nachkommen verbreiteten sich dann weiter über die Erde. Dabei erwies sich das Erbe aus den Kreuzungen offenbar als stärkend für die Widerstandskraft. "Die steinzeitliche Liaison bereicherte den Genpool des modernen Menschen", resümmiert Forschungsleiter Peter Parham. Auch könnte die Population des Denisova-Menschen, dessen Überreste im Altai-Gebirge in Sibirien gefunden wurden, größer gewesen sein als angenommen.