London. Jeder vierte Mensch leidet bis zum Alter von 80 Jahren an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Das ergab eine Studie, die Daten aus dem gesamten Bundesstaat Ontario umfasst. In der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" publizierten kanadische Forscher ihre Erkenntnisse. Derzeit läuft in Wien die Jahrestagung der Österreichischen Pneumologischen Gesellschaft. Eines der Hauptthemen: COPD.

"Die WHO (Weltgesundheitsorganisation, Anm.) hat die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) weltweit zur vierthäufigsten Todesursache erklärt und schätzt, dass sie im Jahr 2030 den dritten Rang einnehmen wird. Acht bis 22 Prozent der Erwachsenen über 40 Jahren leiden an der Erkrankung, die eine Hauptursache für Spitalsaufnahmen und hohe Betreuungskosten ist", schreiben Andrea Gershon und ihre Co-Autoren vom Institute for Clinical Evaluation Sciences in Toronto. Die klassische Raucherkrankheit, umgangssprachlich auch "Raucherlunge" genannt, ist vor allem durch eine Entzündung der Bronchien mit nicht reversibler, schnell abnehmender Lungenfunktion charakterisiert. In der Prävention hat das Vermeiden des Rauchens die oberste Priorität, dann kommt die Früherkennung per einfacher Lungenfunktionsprüfung.

Die Ergebnisse der kanadischen Studie

Über den Zeitraum von 14 Jahren verglichen die Wissenschafter die Daten aller Einwohner, die in der kanadischen Provinz 1996 nicht an der Erkrankung litten. Nach der Analyse stellten sie fest, wer, und wann jemand an COPD erkrankte. Die Analyse erfolgte bis zum Erreichen des 80. Lebensjahres. Insgesamt wurde während der Studie bei 579.466 Menschen COPD diagnostiziert. "Das Lebenszeit-Risiko für eine solche Diagnose durch den Arzt auf COPD bis zum Alter von 80 Jahren betrug 27,6 Prozent", lautet das Ergebnis der Lungenspezialisten. Bei Männern war dieses Risiko mit 29,7 Prozent höher als bei Frauen (25,6 Prozent). Ein höherer sozialer Status ging mit einer 23-prozentigen Gefährdung einher, Personen aus ärmeren Schichten waren dagegen mit 32,1 Prozent überrepräsentiert - ebenso Menschen aus ländlicher Umgebung (32,4 Prozent) im Vergleich zu Personen in Städten (Risiko: 26,7 Prozent).

Aber auch in Österreich zeigte eine Studie aus Salzburg vor einigen Jahren bedenkliche Ergebnisse auf: 26,1 Prozent der Österreicher (25,7 der Frauen und 26,6 Prozent der Männer) litten damals an der Erkrankung. Davon hatten 10,7 Prozent eine behandlungsbedürftige COPD, ein Prozent war schwer krank. Nur bei 5,6 Prozent der Menschen wurde durch den Arzt die Diagnose überhaupt gestellt. Und während 20 Prozent der Niemals-Raucher Anzeichen einer COPD aufweisen, sind es fast 40 Prozent der Menschen, die 20 Jahre oder länger eine Packung Zigaretten pro Tag konsumiert haben.