Auch Kohlmeisen können mutig sein - oder auch nicht. - © Alexander von Düren - Fotolia
Auch Kohlmeisen können mutig sein - oder auch nicht. - © Alexander von Düren - Fotolia

Berlin. Ein komisches Ding! Riecht nach Apfel und fühlt sich auch so an. Ist aber flach, herzförmig und knallrot. Kann das trotzdem schmecken? Oder soll man lieber die Finger davon lassen?

Die Gorillas im Leipziger Zoo wissen manchmal nicht so recht, was sie von Jana Uhers Mitbringseln halten sollen. Dabei hat sich die Psychologin von der Freien Universität (FU) Berlin extra die Mühe gemacht, Äpfel und Birnen in Scheiben zu schneiden, mit Keksformen Motive auszustechen und das Ganze mit Lebensmittelfarben bunt zu gestalten. "Manche Tiere werfen einem das merkwürdig aussehende Futter sofort wieder vor die Füße", berichtet die Forscherin. Andere dagegen untersuchen die seltsamen Objekte, riechen an ihnen und fressen sie schließlich. Und wieder andere sehen sie mehr als Spielzeug denn als Leckerbissen.

Auch unter Gorillas ist keineswegs einer so neugierig oder experimentierfreudig wie der andere. Diese Unterschiede faszinieren Jana Uher. Sie leitet an der FU eine Gruppe, die Persönlichkeitsunterschiede bei Primatenarten untersucht. Tiere mit Persönlichkeit? Eine solche Idee hätten die meisten Verhaltensforscher noch vor ein paar Jahrzehnten weit von sich gewiesen. Ein Gorilla sei wie der andere, sein Verhalten hänge von Alter und Geschlecht ab, hieß es. Einem Affen mehr Mut, Angst oder Fürsorglichkeit zuzuschreiben als einem anderen galt als unzulässige Vermenschlichung.

Inzwischen sehen immer mehr Biologen und Psychologen das anders. Uher hatte etwa den Gorillas des Leipziger Zoos die Wahl gelassen, ob sie lieber vier Rosinen haben wollten oder nur eine, doch sie erhielten nie die erwünschte Portion. "Manche bekamen daraufhin regelrechte Wutausbrüche und trommelten gegen die Scheiben", beschreibt sie die impulsiveren Charaktere. Andere ließen nur den Kopf hängen und seufzten tief. Wieder andere beschäftigten sich scheinbar hoch konzentriert mit ihren Haaren - als wollten sie sich die Enttäuschung nicht anmerken lassen. Rasch wurde klar, dass jedes Tier seine typische Art hatte, mit Frust umzugehen. Und die legte es auch beim 20. Versuchsdurchgang nicht ab. Gorilla-Choleriker können offenbar genauso schlecht aus ihrer Haut wie ihre menschlichen Pendants.

Fasziniert beschloss die Psychologin, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Mittlerweile untersucht sie nicht nur das Verhalten von Menschenaffen, sondern auch das von Kapuziner-, Java- und Rhesusaffen und kooperiert dabei mit anderen Instituten.