Ingelheim/Hamburg.

Logo des Medikamentes Pradaxa. - © APAweb / Frank Rumpenhorst dpa/lhe
Logo des Medikamentes Pradaxa. - © APAweb / Frank Rumpenhorst dpa/lhe
Im Zusammenhang mit dem Medikament Pradaxa sind weltweit mehr Menschen gestorben als bisher bekannt. Das berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Demnach wurden von März 2008 bis Anfang November dieses Jahres 256 Todesfälle nach der Einnahme des Blutgerinnungshemmers des Herstellers Boehringer Ingelheim gemeldet.

Der Pharmakonzern bestätigte die Verdachtsfälle, wies aber Kritik an der Wirksamkeit oder Sicherheit von Pradaxa zurück: Bei allen Medikamenten zur Blutverdünnung könne es zu unerwünschten Blutungen kommen. Die Zahl der Verdachtsfälle tödlicher Blutungen liege sogar noch unter der, die nach der Studie für die Zulassung des Arzneimittels zu erwarten gewesen wäre.

21 Todesfälle in Europa

Laut "Spiegel" traten 21 Todesfälle in Europa auf, vier davon in Deutschland. "Zeit Online" hatte Anfang November über eine Größenordnung von rund 50 Todesfällen berichtet. Boehringer Ingelheim bestätigte daraufhin nur "gemeldete Fälle". Zahlen nannte ein Sprecher zu dem Zeitpunkt nicht, mit dem Hinweis, die Einzelfallprüfungen liefen noch.

Keine Opfer in Österreich

Von der internationalen Diskussion um das Medikament Pradaxa scheint Österreich bisher ausgenommen. Zwei Todesfälle habe es seit der Zulassung im Jahr 2008 gegeben, doch sei ein direkter Zusammenhang mit Pradaxa mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen, sagte Marcus Müllner von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)  im APA-Gespräch.

  Müllner, der auch Verfahrensleiter im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) ist, betonte jedoch, dass "Blutverdünnung per se eine heikle Sache" sei. Soll heißen: Die Gefahr einer schwerwiegenden Blutung liegt laut Müllner bei einem bis zwei Prozent. "Man muss nicht daran sterben, es kann aber vorkommen." Dem gegenüber stünde allerdings ein durchschnittliches Schlaganfallrisiko von fünf bis 30 Prozent ohne Medikation.

  Erst kürzlich habe das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP), ein wissenschaftlicher Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur, festgestellt, dass der Nutzen bzw. das Wirkprofil in angemessenem Verhältnis zum Risiko stehe, so Müllner.

  Pradaxa werde seit seiner Einführung in Österreich im Jahr 2008 beobachtet. Seit April 2011 wird der Blutverdünner auch bei Vorhofflimmern angewendet. Müllner: "Ab einem gewissem Alter und mit gewissen Miterkrankungen ist das Schlaganfallrisiko dermaßen hoch, dass das Risiko der Blutverdünnung geringer ist."