Auch ein Pfau, der nicht perfekt ist, wie dieser Albino-Pfau, schlägt sein Rad. Doch tut er es aus denselben Gründen wie ein Mensch, der "so eitel ist wie ein Pfau"? - © © FLPA/David Burton/Frank Lane
Auch ein Pfau, der nicht perfekt ist, wie dieser Albino-Pfau, schlägt sein Rad. Doch tut er es aus denselben Gründen wie ein Mensch, der "so eitel ist wie ein Pfau"? - © © FLPA/David Burton/Frank Lane

Wien. Ein Pudel trippelt stolz aus dem Hundefriseur und hebt scheinbar voller Eitelkeit den Kopf. Eine Katze lässt keinen Zentimeter aus beim Putzen ihres Fells. Ein Pfau stellt sich mit seinem Rad zur Schau. Beobachtungen wie diese lassen den Verdacht aufkommen, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere eitel sind.

"Eitelkeit ist nicht spezifisch menschlich, sondern hat einen biologischen Hintergrund, den wir als Eitelkeit wahrnehmen, wenn er exzessiv wird", sagt Hans-Georg Winkler, Verhaltensforscher am Konrad-Lorenz-Institut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Jedes Verhalten im Dunstkreis der Eitelkeit komme auch bei Tieren vor. Zu trennen sei jedoch zwischen reiner Funktion - und der damit verbundenen Emotion.

Der Schein trügt nicht


Winkler untersucht unter anderem das Paarungsverhalten von Spechten. Zu Mittag würden diese nach einem streng strukturierten Prozess ihr Gefieder putzen. Die Reinigung halte die Federn funktionsfähig und Parasiten fern - die Weibchen bevorzugen Männchen, die sauber geputzt sind und bakterienfrei. "Was der Mensch allerdings unter Eitelkeit versteht, setzt Selbsterkenntnis voraus. Mein Aussehen wirkt auf mich zurück wie das Gesicht im Spiegelbild." Zwar können Affen oder Papageien sich selbst im Spiegel erkennen und gebe es Vögel, die ganz besonders nett zu ihren Artgenossen sind, wenn andere es sehen. Bei Tieren deute das jedoch eher auf soziales Verhalten hin.

Und dennoch gibt es unter ihnen Individuen, die mehr Körperpflege betreiben als andere. Auch wirkt ihr Aussehen auf die Tiere zurück. Ähnlich wie Menschen, die in edle Stoffe gehüllt sind, eine andere Körperhaltung einnehmen als unangemessen Gekleidete, verhalten sich Tiere, die man schöner macht, entsprechend.

US-Forscher um R. J. Safran von der University of Princeton haben Schwalben umgefärbt und so bedingte Veränderungen beobachtet. Bei Stallschwalben erzeugt der Testosteron-Spiegel die Intensität der Färbung: Je mehr Testosteron das Männchen hat, desto intensiver rot-braun ist sein Gefieder. Die Forscher färbten nur leicht gefärbte Vögel stärker ein. Je rot-brauner die Schwalbe, desto besser stand sie da und ihr Ansehen stieg. Nicht nur das: Rückwirkend stieg auch der Testosteron-Spiegel der umgefärbten Vögel.

Die Täuschung funktioniert bei Tieren allerdings nur bedingt. "Wenn man ein junges Männchen wie einen alten, erfahrenen Kämpfer anmalt, entdecken die Artgenossen schnell, dass das Signal des Vogels nicht mit dem übereinstimmt, was er vorgibt zu sein", sagt Winkler: "Die Ehrlichkeit der Signale ist wichtig."

Der Schein trügt nicht: Sollen sie etwas über den Träger aussagen, müssen die Signale echt sein. Der Forscher zieht Parallelen zum Wert von Markenartikeln: "Für Menschen sind etwa ein Porsche oder ein Diamant besonders gute Signale, weil sie nicht gefälscht werden können. Ähnlich zählt in der Tierwelt nur die verlässliche Information."

Ob eitel oder nicht - im Tierreich zählt die Qualität. Denn wenn ein Weibchen die begrenzte Anzahl ihrer Eier an den falschen Partner verschwendet, kann das bittere Konsequenzen haben, wie Nachkommen mit einem schlechten Immunsystem oder Krankheiten. Wenn also ein Pfau ein Rad schlägt, damit das Weibchen die Anzahl seiner Augen sieht, demonstriert er ihr Kraft, Gesundheit, Zeugungsfähigkeit, Fitness und Status, damit sie ihn nimmt.

"Auf ähnliche Weise erhöht beim Menschen der soziale Status die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden. Das exzessiv gesteigerte Bewusstsein über diese Qualitäten ist aber sicher nur bei Lebewesen mit höherer kognitiver Leistung möglich", so Winkler.