Wien. Die Latte nach dem Abgang von Helmut Pechlaner lag sehr hoch. Doch Dagmar Schratter gelingt es problemlos, eine beeindruckende Bilanz ihrer ersten fünf Jahre an der Spitze des Tiergartens Schönbrunn zu ziehen. Und sie hat als Direktorin noch viel für die 2012 beginnende zweite Amtszeit vor, deren Ausschreibung sie im Juni gewonnen hat.


"Ein Zoo ist nie fertig, alles entwickelt sich weiter", betonte Schratter im Gespräch. Bereits zu sehen sind die umfangreichen Arbeiten am Eisbärgehege, die erst in zwei Jahren abgeschlossen sein werden. Die beiden Bereiche - für das Männchen sowie das Weibchen samt hoffentlich vielen Jungen - werden gleich groß und technisch alle Stücke spielen. U.a. werden die Besucher die riesigen Raubtiere durch eine Glaswand beim Tauchen unter Wasser beobachten können.

Umbauen, ausbauen und finanzieren
Wegen dieses Projekts mussten die Giraffen zurückstehen, obwohl der für sie vorgesehene Umbau bereits genehmigt, aber nun nicht finanziert ist. Ihr Haus wird doppelt so groß, ebenso das Außengehege. "Ich hoffe, dass ich die Verwirklichung noch in meiner Amtszeit erleben werde - und weitere Ideen hätten wir noch viele." Bereits in Angriff genommen wurde der Umbau des Affenhauses, der dessen alten Zustand wiederherstellen und zum Heim mehrerer Kleinaffenarten machen wird.

"Ich habe Schönbrunn mit einem sehr, sehr hohen Niveau übernommen und habe mich bemüht, dieses zu halten und weiter zu entwickeln", meinte die Direktorin. Dies scheint gelungen: 2007 und 2008 wurden neue Besucherrekorde aufgestellt, zweimal gewann der Wiener Tiergarten die Auszeichnung bester europäischer Zoo.

Am meisten Freude scheint die Zoologin jedoch an anderen Erfolgen zu haben: an der Geburt der beiden "kleinen" großen Pandabären sowie an den weltweit erstmals gelungenen Züchtungen bei den Flussschildkröten und Winkerfröschen. Auch der eher unspektakuläre Naturerlebnispfad ist ein Lieblingsprojekt Schratters, da es dadurch gelungen sei, auch der heimischen Tierwelt einen Stellenwert in Schönbrunn zu geben.

Ökologische Ausrichtung
Zudem habe man den Tiergarten ökologisch ausgerichtet. "Erst wenn man vor der eigenen Haustür etwas tut, hat man einen Zugang zu entsprechenden Programmen in der Ferne."

Neben Südamerikahaus, Orangerie für die Orang Utans und anderen spektakulären Eröffnungen schätzt Schratter besonders den Heimtierpark, wo Interessierte Workshops besuchen, sowie das Rattenhaus, wo Phobiker ihre Abscheu vor den Nagern verlieren können.

Konsolidierung beim Personal
Beim Personal habe man nach den 15 Jahren Pechlaner eine Konsolidierung angestrebt und mit Hilfe zahlreicher Berater ein Leitbild entwickelt, das von den Mitarbeitern mitgetragen wird. Einzige Einschränkung: "Die Pfleger hätten die Tiere am liebsten nur für sich, aber der Zoo ist halt für die Besucher da", schmunzelte Schratter.

Dank ihrer Dienstwohnung im Schloss ist die Direktorin oft schon um 7.00 Uhr am Arbeiten - hat aber gleichzeitig ihren Hauptwohnsitz in Steyr. "Die Wochenenden bei meinem Partner sind meine Erholungsphasen... einen solchen Freiraum braucht jeder."