Wien. Ob als Warnung vor dem Klimawandel, Schutz bedrohter Arten oder einfach nur als Anregung für das nächste Abendessen: Alle Jahre wieder küren verschiedenste Organisationen Lebensräume und -arten zur "Natur des Jahres". Dabei werden viele Organismen für den gesamten deutschen Sprachraum gewählt, andere unterscheiden sich je nach vorherrschender Thematik zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz, wie der Naturschutzbund Österreich erklärt. Während etwa die Große Höhlenspinne europaweit 2012 als "Spinne des Jahres" gilt, kürt Österreich seine eigenen Bäume, Fische und Weichtiere des Jahres.

Mit der Elsbeere hat das österreichische Kuratorium Wald einen eher unbekannten Laubbaum zum "Baum des Jahres 2012" gekürt. Sie gehört zur Familie der Rosengewächse, wird bis zu 100 Jahre alt und erreicht eine Höhe von 20 bis 25 Metern. Ihre spiralförmig verteilten Blätter ähneln denen des Ahorns, ihre Früchte sind eiförmig bis rundlich und werden u.a. von Vögeln und Eichhörnchen verzehrt, so das Kuratorium in einer Aussendung. Von den Römern wurde sie einst als Heilmittel verwendet, heute ist sie beliebter Rohstoff für einen Edelbrand. Die Kern-Vorkommen der Elsbeere sind in der Mittelsteiermark zu finden, "erstrecken sich aber auch über den südwestlichen Teil des Wienerwaldes". Lichtbaumarten wie der Elsbeere würden im heute allgemein üblichen "Hochwald" Licht, Platz und Wärme genommen, weswegen sie verstärkt zurückgedrängt wird.

Die Dohle und der Huchen
Hoch über den Bäumen fliegt die Dohle (Corvus monedula), die von BirdLife Österreich sowie deutschen Partnerorganisationen zum "Vogel des Jahres 2012" gekürt wurde. Der früher weit verbreitete Steppenvogel ist in Österreich in vielen Regionen selten geworden, es gibt geschätzte 3.600 bis 4.600 Brutpaare. "Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit an Dörfer und Städte findet sich die Dohle auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten", berichtet BirdLife. "Die Intensivierung der Landwirtschaft, die hohe Pestizidbelastung und fehlende Brutmöglichkeiten lassen die Bestände schwinden." Die schwarz gefiederte Dohle mit den silber-blauen Augen ist ein Höhlen-und Nischenbrüter und nutzte einst Fels- und Lehmwände, aber auch Astlöcher und Schwarzspechthöhlen. Später hat sie sich in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet: Hohe Gebäude wie alte Kirchtürme oder Industriekamine boten vorzüglichen Unterschlupf sowie Weiden, Felder und Wiesen einen reich gedeckten Tisch mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken.