Wien. (ski) Vielleicht hatte ja der unlängst im Alter von 108 Jahren verstorbene Johannes Heesters so unrecht nicht, als er seine "kleine Zigarette" als Problemlöser besang. Vielleicht verdankt auch der 93-jährige deutsche Altkanzler Helmut Schmidt seine geistige Frische zum Teil seiner Nikotinsucht. Denn eine jüngst im Fachmagazin "Neurology" veröffentlichte Studie besagt, dass Nikotinpflaster das Gedächtnis von Menschen verbessern können, die unter ersten Anzeichen von Demenz leiden. Die Untersuchung wurde von Paul Newhouse und seinen Mitarbeitern am Vanderbilt University Medical Center in Nashville durchgeführt.

An der Studie nahmen 74 Nichtraucher teil, die an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI: mild cognitive impairment) litten, die eine Vorstufe zu Morbus Alzheimer sein kann. Die Hälfte davon verwendete sechs Monate lang die als Nikotinpflaster bekannten TTS (transdermale therapeutische Systeme), die frei von krebserregenden Schadstoffen sind und zum Tabakentzug eingesetzt werden, die andere Hälfte bekam Placebo-TTS. Laut Newhouse erhielten die mit Nikotin behandelten Personen 46 Prozent der ihrem Alter gemäßen Leistungen im Langzeitgedächtnis zurück, während es in der Placebo-Gruppe zu einer Verschlechterung um 26 Prozent kam.

Lieber Fitnessprogramme


Für Experten wie den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Nikotin- und Tabakforschung, Ulf Ratje, ist das Studienergebnis "plausibel" und nicht überraschend. Es sei längst bekannt, dass Nikotin im Blut das Gehirn im positiven Sinn aktiviere. Doch dieser Wirkung stehe die sehr große Gefahr einer Sucht und etlicher gefährlicher Nebenwirkungen im Körper gegenüber. Auch die deutsche Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer warnt davor, Demenz mit Nikotin zu bekämpfen. Sie verweist auf Rauchen als Krebsauslöser und empfiehlt als besseres Mittel gegen Demenz Fitnessprogramme mit viel Bewegung.