"Phobos Grunt" vor der gescheiterten Mission im Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. - © EPA
"Phobos Grunt" vor der gescheiterten Mission im Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. - © EPA

Wien. Die 120 Millionen Euro teuren russischen Marsträume sind am Sonntag in den Weiten des Südpazifiks zerplatzt. Eine Motorpanne hat die 13,5 Tonnen schwere Raumsonde "Phobos-Grunt" schon nach dem Start vom Kurs abgebracht. So war sie nicht Richtung Mars unterwegs, sondern kreiste in immer engeren Bahnen um die Erde herum - bis die Sonde schließlich in die Erdatmosphäre eingetreten ist und die dabei nicht verglühten Teile im Ozean landeten.

Die Giftstoffe im Treibstofftank sowie das radioaktive Kobalt in einer Menge von 10 Mikrogramm an Bord sollten Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zufolge verbrannt oder verglüht sein. An Bord waren auch Behälter mit Mikroorganismen, Mückenlarven, Krebstieren und Samen. Eine Gefahr für Menschen in bewohnten Gebieten durch nicht verglühende Teile hatte als sehr gering gegolten, war aber nicht ausgeschlossen worden.

"Phobos Grunt" war am 9. November 2011 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet und sollte bis 2014 im All bleiben, um den Marsmond Phobos zu erforschen sowie Proben zur Erde zu bringen. Auch Österreich war beteiligt - nämlich an Bord des chinesischen sogenannten "Glühwürmchens", das huckepack auf der Sonde mit dabei war, wie Wolfgang Baumjohann, Leiter des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont. Es wäre in die Umlaufbahn des Mars geschickt worden, um den Planeten zu erforschen. Das spektakuläre Projekt sollte für Russland eine neue Ära einläuten. Auch wollte Moskau nach Erfolgen der aufstrebenden Raumfahrtmacht China und vor der US-Mission "Mars Science Laboratory" 15 Jahre nach seiner ersten interplanetaren Mission im Jahr 1996 Akzente setzen.

Immerhin machte China im Vorjahr mit dem Raummodul "Tiangong 1" (Himmelspalast) und seinem ersten Andockmanöver entscheidende Schritte auf dem Weg zum Bau einer Raumstation, die um das Jahr 2020 fertig sein soll. Das unbemannte Raumschiff "Shenzhou 8" (magisches Schiff) koppelte im November zweimal am Himmelspalast an. Sollte der Aufbau der Raumstation wie geplant fortgesetzt werden, wäre China 2020 die einzige Nation mit einem ständigen Außenposten im All.

"Mars Science Laboratory"


Jetzt haben wohl wieder die USA die Nase vorn. "Der Mars ist der Planet der Amerikaner", meint Baumjohann. Die im November 2011 gestartete Nasa-Mission "Mars Science Laboratory" soll am roten Planeten mineralogische Untersuchungen vornehmen. Ein Riesenroboter in der Größe eines kleineren Geländewagens soll im August auf die Marsoberfläche herabgelassen werden. Das Besondere an dem Roboter: Er wird nicht mit Solarenergie angetrieben, sondern mittels Thermoreaktor und kann damit auch im Marswinter aktiv bleiben.

Der nächste große Schritt wird es sein, Bodenproben vom roten Planeten auf die Erde zu bringen, um zu untersuchen, ob es dort Grundvoraussetzungen für Leben gibt. Hierbei kommt es zu einer Zusammenarbeit von Amerika und Europa. Dies werde allerdings nicht vor dem Jahr 2020 passieren, ist sich Baumjohann sicher.

Spuren von Leben gesucht


Das Nächste wäre die Suche nach eventuell bereits vorhandenen Spuren von Leben auf dem Mars - nach Organismen und Ähnlichem. Ein großes Problem dabei: das liebe Geld. Amerika und Europa hätten zwar die Technik, aber kein Geld, die Chinesen hingegen das Geld, aber noch nicht die Technik, betont der Weltraumforscher. Kosten in Höhe von 400 bis 500 Milliarden Dollar sind eben kein Pappenstiel.

Bis wohl der erste Mensch zum Mars fliegt, werden allerdings noch mindestens 40 Jahre vergehen, meint Baumjohann. Die im Wettstreit befindlichen Nationen sollten auf jeden Fall umdenken. Denn für solch ein ehrgeiziges Projekt sei es "das Beste, es gemeinsam anzugehen", betont der Weltraumforscher.