Wien.

Oft wie der Blitz aus heiterem Himmel.
Oft wie der Blitz aus heiterem Himmel.
Rund 20.000 Österreicher werden jährlich scheinbar wie aus heiterem Himmel vom Schlag getroffen. Der Schlaganfall bedeutet sowohl für den Betroffenen als auch dessen soziales Umfeld großes menschliches Leid. Denn aufgrund oftmals bleibender massiver Behinderungen muss der Alltag völlig neu organisiert werden. Mitunter führt der Schlaganfall gar zum Tod, denn er gilt nach dem Herzinfarkt als die zweithäufigste Todesursache.

Dies müsste allerdings nicht sein, wenn man Frühwarnzeichen ernst nehmen würde, erklärt Andreas Franczak, Gefäßchirurg im Evangelischen Krankenhaus in Wien im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn in vielen Fällen kündigen sich schon Tage oder Wochen zuvor typische Symptome an - etwa kurze Sprachstörungen, plötzliche Sehstörungen, Schwindel, vorübergehende Bewusstlosigkeit oder nur wenige Minuten anhaltende Lähmungserscheinungen - zumeist auf einer Körperseite.

Ultraschall misst Verengung


Ein Viertel der gesamten Schlaganfälle - 85 Prozent sind auf eine Minderdurchblutung und 15 Prozent auf Blutungen im Gehirn zurückzuführen - entsteht durch eine Verengung der Halsschlagader (Arteria carotis). Mittels einer einfachen Ultraschalluntersuchung kann der Grad der Verstopfung festgestellt werden.

Stellt sich nun die Frage, ob und ab wann verengte Halsschlagadern schon vorbeugend behandelt werden können. In internationalen Studien wird bei einer 70-prozentigen Verkalkung von einem Hochrisiko gesprochen. Sind bereits Frühwarnzeichen aufgetreten - in der Fachsprache TIA (transitorische ischämische Attacke) -, muss man auch schon bei zu 50 Prozent verschlossenen Halsschlagadern handeln, betont Franczak. "Neuere Studien zeigen, dass die Erfolgsrate umso besser ist, je rascher nach ersten Auffälligkeiten effiziente Gegenmaßnahmen gesetzt werden."

Heutzutage kommen zur Verbesserung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns bei stark verkalkten Halsschlagadern vorwiegend zwei Methoden zur Anwendung. Eine ist die Aufdehnung der verstopften Arterie durch Einsetzen eines sogenannten Stents, einer Gefäßstütze. Die sicherste und nachhaltigste Therapie zur Verhütung eines Hirninfarktes stellt die Ausschälung der Halsschlagader dar.

Dabei handelt es sich um eine in örtlicher Betäubung durchgeführte, rund einstündige Operation, bei der die innere Halsschlagader durchtrennt und ausgeschält wird. Danach näht der Gefäßchirurg die von Plaque gereinigte Arterie wieder in ihren natürlichen Abgang ein.

Aufgrund der Ansprechbarkeit des Patienten kann dessen Gehirnfunktion dabei permanent überwacht werden. "Da wir dabei die Halsschlagader abklemmen müssen, ist es wichtig, dass der Patient wach bleibt. So können wir durch das Gespräch mit ihm seinen aktuellen neurologischen Zustand durchgehend kontrollieren und bei Bedarf gegensteuern. Das reduziert das Operationsrisiko im Vergleich zu früher bedeutend", erklärt Franczak. Da aber insgesamt vier Arterien zum Gehirn führen - auf jeder Seite zwei innere Halsschlagadern und zwei Wirbelarterien -, wird die Aufrechterhaltung der Funktionen für die Zeit der Operation durch die drei übrigen Blutbahnen gewährleistet. Auf diese Art und Weise kann ein fast vollständiger Verschluss der Halsschlagader entfernt werden.

Die Verkalkung von Gefäßen, also Arteriosklerose, wird durch Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, erhöhte Blutfette, aber auch jahrelangen Nikotingenuss und Bewegungsarmut begünstigt. Besonders gefährdet sind vor allem Personen über dem 65. Lebensjahr.

Regelmäßiger Gefäßcheck


Franczak rät dazu, schon ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig einen Gefäßcheck durchführen zu lassen. Dabei werden die Halsschlagadern, die Bauschlagader, aber auch die Periphergefäße - etwa die Beinvenen - kontrolliert. Liegt schon davor ein erhöhtes Risikoprofil vor, ist dies, so der Gefäßspezialist, schon ab dem 50. Lebensjahr ratsam.