Kiel. Sie ist die größte Blume der Welt und stinkt gewaltig: der Titanenwurz. Am Donnerstag hat sie im Botanischen Garten in Kiel angefangen zu blühen. Die Pflanze aus den Regenwäldern Sumatras kommt in botanischen Gärten kaum vor, blüht selten und dann nur bis drei Tage lang. "Sie hat 15 Jahre dafür gebraucht", sagte der Kieler Gartenkustos Martin Nickol. Der Gigant wiegt "nur" 21 Kilogramm.

Normalerweise bringen die Pflanzen etwa 40 Kilo auf die Waage, bevor sie blühen. Manche täten dies sogar erst mit 100 Kilo, sagte Nickol. In Schleswig-Holstein sei es das erste Mal, dass ein Blütenstand der Amorphophallus titanum zu sehen ist.

Die Pflanze ist meist ein Nachtblüher: Das Hochblatt, das einen großen Kolben umgibt, öffnet sich in der Regel nachmittags. Im Laufe des zweiten Tags schließt es sich allmählich, am dritten Tag beginnt es schon zu welken.

Spezielle Düfte

Dabei stinkt der Gigant nach Aas und verrottetem Fisch. So lockt die Blume in Sumatra Aaskäfer und Aasfliegen an, die eigentlich Eier auf einem toten Tier ablegen wollen. Dafür ist der Titanenwurz zwar nicht geeignet, aber die Käfer und Fliegen bestäuben die Blüten, wenn sie vorher einen anderen Titanenwurz besucht haben.

Und noch einen Trick haben die Pflanzen, berichtete der Botanische Garten weiter: Damit die Tiere sie im dichten Regenwald besser entdecken, erhöhen Titanenwurze die Temperatur im Kolben und der Umgebung um mehr als zehn Grad Celsius. Dadurch stinken sie noch mehr.