Wien. (gral) Einem elfjährigen Buben aus Wien wurde als erstem Kind weltweit ein neues Hörimplantat eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Knochenleitungsimplantat. "Damit wird der Schall nicht über den natürlichen Weg des Hörens, über Außen- und Mittelohr, sondern direkt über den Knochen an das Innenohr weitergegeben", erklärt Wolf-Dieter Baumgartner von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten.

Normales, akustisches Leben


Der Bub besitzt keine Ohrmuscheln, zudem sind die schwingenden Teile im Mittelohr wie Trommelfell, Hammer, Amboss und Steigbügel, defekt. Dies führte zu einer mittelgradigen Schwerhörigkeit.

Das Besondere an diesem neuen, von der österreichischen Firma Medical Electronics konzipierten Implantat mit einer nur 0,2 Millimeter dünnen Elektrode ist, dass die akustischen Stimulatorelemente allesamt im Schädelknochen liegen. Bisher hatte der Elfjährige über ein Stirnband mit einem externen Knochenleitungshörgerät gehört. "Jetzt wird er ein ganz normales, akustisches Leben führen können", so Baumgartner.

Das neue Implantat eignet sich generell für Patienten, die unter einer Schallleitungsschwerhörigkeit, einseitiger Taubheit oder auch an Fehlbildungen des Ohres leiden. In Österreich kämen jährlich ungefähr 80 Betroffene für ein solches Knochenleitungsimplantat in Frage, schätzt der Mediziner.