Wien. Anlässlich des Welt-Nichtrauchertag 2012 am Donnerstag (31. Mai) gab es Kritik von der Österreichischen Ärztekammer an zu laschen Maßnahmen zum Zurückdrängen des Tabakkonsums, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wies hingegen auf zahlreiche Maßnahmen der Krankenkassen hin. Die FPÖ forderte eine Zweckbindung der Tabaksteuer.

  Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, erneuerte am Donnerstag seine Forderung nach einem strengeren Tabakgesetz, nach einem strikten Rauchverbot im öffentlichen Raum, insbesondere in der Gastronomie, und vor allem nach besserer Prävention vor allem bei Kindern und Jugendlichen. "Österreich ist, was den Nichtraucherschutz angeht, nach wie vor ein Entwicklungsland", stellte der Standesvertreter fest. Die laxe Haltung der Politik führe jedoch dazu, dass Österreich in der Prävention zurückfalle.

 
Aktuelle Zahlen sind "erschreckend"
Die aktuellen Zahlen zum Rauchverhalten der Bevölkerung bezeichnete Dorner als "erschreckend": "Dass 40 Prozent der 15- bis 29-Jährigen regelmäßig zum Glimmstängel greifen, sollte Anlass genug sein, um endlich ein striktes Rauchverbot einzuführen und das Angebot an Rauchertherapie auszuweiten." Speziell Kinder und Jugendliche müssten besonders geschützt werden, Österreich halte hier nach wie vor einen traurigen Rekord. Zwar sei der Raucheranteil bei den elf-bis 15-jährigen Mädchen seit 1998 von 26,2 auf 19,5 Prozent und bei den Burschen von 23,3 auf 16,6 Prozent gesunken, aber "das ist noch immer zu viel. Am liebsten wäre mir ein Wert von null Prozent", betonte der ÖÄK-Präsident.

  Zu einem vollen Erfolg im Kampf gegen die gesundheitlichen Folgen des "blauen Dunstes" sei die von der Sozialversicherung aus Anlass des diesjährigen Welt-Nichtrauchertages initiierte Aktion "Tausche Tschik für mehr Gesundheit und Lebensqualität!" geworden, stellte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger am Donnerstag in einer Aussendung fest. Seit der "Überflieger" und strikte Nichtraucher Gregor Schlierenzauer eröffnet habe, hätten hunderte Österreicher in nahezu allen Bundesländern vom Angebot der Sozialversicherung für eine kostenlosen Raucherberatung und Smokerlyzer-Messung Gebrauch gemacht.

 
Die Vorteile des Nichtrauchens
"Dabei wird von den geschulten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Krankenkassen auf die gesundheitlichen - und damit auch volkswirtschaftlichen - Vorteile des Verzichts auf das Rauchen hingewiesen", so der für das Thema Prävention zuständige stellvertretende Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Josef Probst. Neun von 13 der im Hauptverband vertretenen großen Krankenkassen sowie die PVA würden mittlerweile eigene Raucherentwöhnungsprogramme anbieten. Pro Jahr gebe es rund 3.000 Teilnehmer.

  Die freiheitliche Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein trat mit der Forderung nach der Zweckbindung der Tabaksteuer zur Finanzierung für Entwöhnungsprogramme an die Öffentlichkeit: "Angesichts des hohen Raucheranteils in Österreich von 38 Prozent ist es dringend nötig, diesen zu reduzieren." Die hohen Einnahmen durch die Tabaksteuer sollten nicht im allgemeinen Budget verschwinden, sondern für Maßnahmen gegen das Rauchen herangezogen werden.