Wien.

Aufhören kann man nie früh genug. - © © Science Photo Library/Corbis
Aufhören kann man nie früh genug. - © © Science Photo Library/Corbis
Dass Rauchen in der Schwangerschaft das Ungeborene schädigt und auch Auswirkungen auf die spätere Entwicklung von Kindern hat, ist mittlerweile von den Fachleuten eindeutig belegt. US-Experten haben nun vor allem die Lunge ins Blickfeld ihrer Forschungen gerückt und möglicherweise den für eine schlechtere Lungenfunktion der mitrauchenden Babys verantwortlichen Mechanismus herausgefunden.

Dieser läuft über den Vitamin-A-Stoffwechsel, wie die Wissenschafterin Kathleen Haley vom Bigham and Women’s Hospital in Boston nun ihre Studienergebnisse auf BioMedCentral Online veröffentlicht hat.

Mäuse wurden im Mutterleib und nach der Geburt über die Muttermilch Rauchschadstoffen ausgesetzt. Näher beobachtet wurde die Signalwirkung von Vitamin-A-Säure auf die sich in den ersten Lebenstagen rasant entwickelnden Lungen der Tiere. "Das Rauchen beeinflusste die Regulation von Genen, die durch die Vitamin-A-Säure kontrolliert wird. Letztere ist wichtig für die Entwicklung der Lunge und für den Surfactant B-Faktor in den Lungenbläschen", erklärt Haley.

Sufactant-Proteine ermöglichen und kontrollieren den Gasaustausch der Lungenbläschen und kleiden diese innen aus. Frühgeborene bekommen üblicherweise spezielle Präparate, um diesen Mangel auszugleichen.

Das "Passivrauchen" der Versuchstiere beeinflusste auch die Zahl der Nachkommenschaft und das Geburtsgewicht negativ.

Ein geringeres Geburtsgewicht ist auch sehr häufig bei menschlichen Neugeborenen zu beobachten, erklärt der Kinderpulmologe Tamas Fazekas im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Nikotin verursacht eine Verengung der Blutgefäße in der Plazenta. Durch die dadurch entstehende Sauerstoffunterversorgung verlangsamt sich die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes.

Großer Aufholbedarf


Hört die Mutter innerhalb des ersten Drittels der Schwangerschaft mit dem Rauchen auf, besteht dieses Risiko nicht mehr, betont Fazekas. Erhöht ist auch das Risiko auf eine Frühgeburt - nämlich durch eine mögliche vorzeitige Lösung der Plazenta.

Der Einfluss durch das Rauchen kann sich auch noch in späteren Jahren bemerkbar machen. So zeigt sich bei den Sechs- bis Siebenjährigen eine um 20 Prozent schlechtere Lungenfunktion. Damit erhöht sich auch das Asthmarisiko.

All diese Erkrankungen des Kindes, die eindeutig durch das Rauchen in der Schwangerschaft verursacht sind, werden unter dem Begriff fetales Tabaksyndrom vereint, so der Facharzt. Recht gut belegt ist auch das vermehrte Auftreten von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) oder Teilleistungsstörungen, die sich dann vor allem in der Schule zeigen. Bei Kindern von rauchenden Schwangeren treten auch häufiger Gaumenspalten, aber auch vermehrt Adipositas (Fettsucht) auf.

Das Thema Rauchen in der Schwangerschaft steht auch bei der bevorstehenden Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, die vom 14. bis 16 Juni in Salzburg stattfindet, auf den Programm. In Deutschland wachsen immerhin mehr als 40 Prozent der Neugeborenen in rauchbelasteter Umgebung auf. Man geht davon aus, dass die Datenlage auf Österreich übertragbar ist.

In der Rauchentwöhnung während der Schwangerschaft sehen die Experten eine spezielle Herausforderung. Klar ist: Je früher der Rauchstopp erfolgt, umso besser für den Nachwuchs. Nur wenige Zentren in Österreich bieten ein gezielt auf Schwangere abgestimmtes Rauchentwöhnungsprogramm. Die Fachleute sehen hier noch großen Aufholbedarf, um Folgeerkrankungen bei den Kindern reduzieren zu können.