Wien.

Nicht jedem Menschen fällt das Lesen leicht. - © © Mike Kemp/Tetra Images/Corbis
Nicht jedem Menschen fällt das Lesen leicht. - © © Mike Kemp/Tetra Images/Corbis
Das Erkennen einzelner Worte nacheinander ist bereits sehr gut erforscht. "Wir wissen sehr viel über den Prozess der Worterkennung und über individuelle Unterschiede, also was gute und dyslektische Leser ausmacht", erklärte der an der Universität Salzburg tätige neurokognitive Psychologe Florian Hutzler in einem Interview mit der APA. Dyslexie ist das Problem beim Lesen und Verstehen von Worten oder Texten.

Über die sogenannte parafoveale Vorverarbeitung weiß man hingegen noch sehr wenig. Dies ist der Beginn der Verarbeitung des jeweiligen Wortes, das als Nächstes gelesen wird. Etwa 30 Prozent der Wortverarbeitung finden in dieser Phase statt. Es handelt sich daher um einen "Schlüssel zum effizienten und flüssigen Lesen". Die Wissenschafter beschäftigt die Frage, wie es möglich ist, dass zwei Worte gleichzeitig im Gehirn bearbeitet werden. Sie vermuten, dass es sich dabei um eine Art "unbewusste Verarbeitung" handelt, die in den visuellen Arealen im hinteren Teil des Gehirns stattfindet. Zurzeit arbeiten die Forscher daran, eine Methodik zu entwickeln, um diese Gehirntätigkeit zu messen.

Richtige Therapie finden


Die Versuchspersonen sollen einen ganzen Satz auf einmal präsentiert bekommen. "Dann lesen sie den Satz, und wir beobachten mittels eines Eye-Trackers ihre Blickbewegungen", so Hutzler. Das bringt die Forscher in die Lage, genau den Moment zu erkennen, an dem die Vorverarbeitung beginnt und was im Gehirn dabei passiert. Diese Erweiterung "ermöglicht uns das erste Mal, die parafoveale Vorverarbeitung auch mit neurokognitiven Methoden zu messen", erklärt der Forscher.

In Folge könnte man herausfinden, ob dieser Prozess bei Dyslektikern systematisch gestört ist, um dann geeignete Therapiemethoden anbieten zu können. Derzeit kursieren am Markt viele unterschiedliche Konzepte für dyslektische Leser, die womöglich wirkungslos sind.