Deutlicher Biber-Verbiss an einem mächtigen Baum. - © MA49
Deutlicher Biber-Verbiss an einem mächtigen Baum. - © MA49

Eine Lanze für den Biber

Januskovecz sieht in der Ansiedelung der Biber in Wien ein gutes Zeichen, weiß aber auch um die Probleme, die die Bevölkerung mit ihnen hat: "Wien will eine Umweltmusterstadt sein, da muss sie die sich ansiedelnden Wildtiere und deshalb auch den Biber aushalten. Wenn er die Bäume an den Uferrändern fällt, ist das überhaupt kein Problem, und solange es genug davon gibt, schaut er sich nicht anderswo nach Nahrung um. Ihn gleich als Baummörder und Störer des ökologischen Gleichgewichts zu bezeichnen, ist nicht nur übertrieben, sondern einfach falsch."

Parz-Gollner sieht Wien als neue Biber-Hochburg differenziert: "Direkt in der Stadt ist zum Beispiel der Wienfluss zu stark verbaut, da hat er keine Freude damit. Auch der Donaukanal ist kein echtes Hoffnungsgebiet, da ‚gfretten‘ sich die Biber eher durch. Auch die direkten Konfrontationen mit Menschen sind ein Problem, man denke nur an das Gänsehäufl. Und es gibt halt leider mehr Baum- als Biberverteidiger." Dass in Wien dennoch (bislang) keine Biber abgefangen oder gar geschossen werden, verdanken sie dem Wiener Naturschutzgesetz und der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie. Anders läuft es leider in Niederösterreich, da entledigt man sich eines unerwünschten Bibers schon einmal mit dem Gewehr ...

"Sein größtes Talent ist gleichzeitig sein größtes Handicap, nämlich seine bauliche Gestaltung", bedauert Parz-Gollner die Ressentiments gegen den Biber. "In den Donauauen, wo die Menschen keinen unmittelbaren Anspruch auf Land, Wasser und Ufer erheben, stört der semiaquatisch lebende Großnager niemanden, an der Alten Donau sieht das dagegen schon ganz anders aus." Das Biber-Kartierungsprojekt geht der Wissenschafterin daher auch ziemlich an die Nieren: "Der Mensch setzt sich überall hin, kein Fleckchen Erde darf ungenutzt bleiben und dann wirft man dem Biber vor, dass er stört! Wenn man wenigstens die Uferstreifen freilassen würde, nicht alles okkupieren und nicht überall etwas hinbauen würde, dann wäre alles schon viel einfacher", bricht sie eine Lanze für den bedrohten Biber. Deshalb hofft sie auch auf eine Veröffentlichung der Ergebnisse ihres Kartierungsprojektes, denn "je mehr man weiß und je besser die Information ist, desto leichter kann man der Bevölkerung klarmachen, wie wichtig die Biber für das Ökosystem sind." Das belegen auch Untersuchungen, die ergaben, dass das Umfeld von Biberburgen ein äußerst artenreiches Biotop ist und eine Vielzahl und Vielfalt von Fischen, Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren beherbergt. So gesehen könnte man den Biber wohl als Umweltschützer betrachten - und wir sollten ihm endlich den Respekt zollen und den Schutz bieten, den er immer schon verdient hat ...

So sieht er ja sehr gemütlich aus, doch der Biber kann schnell aggressiv werden. - © MA49
So sieht er ja sehr gemütlich aus, doch der Biber kann schnell aggressiv werden. - © MA49

WISSEN

Die Biber (Castoridae) sind höhere Säugetiere und gehören zu den Nagetieren.

Es gibt zwei Arten, den Kanadischen Biber und den Europäischen Biber, die sich vor allem durch ihre Größe unterscheiden. Sie sind reine Vegetarier und leben semiaquatisch, das heißt ihre Lebensweise ist an Wasser und Land gebunden. Sie erreichen eine Größe von bis zu 1,30 Meter und können bis zu 40 Kilogramm schwer werden. Nach einer Tragezeit von drei Monaten wirft das Weibchen bis zu vier Junge, die etwa zwei Jahre lang bei den Eltern bleiben.

Dämme baut der Biber nur dann, wenn der Wasserstand für seine Bedürfnisse zu niedrig ist, das heißt wenn der Eingang zu seinem Bau nicht unter Wasser liegen würde.

Artikel erschienen am 22. Juni 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 8-11