Die Ergebnisse zeigten erstmals, dass es auch beim Sehsinn deutliche Geschlechtsunterschiede gebe, wie man es auch schon von anderen Sinneswahrnehmungen kenne - © APAweb/VBK Wien, 2011
Die Ergebnisse zeigten erstmals, dass es auch beim Sehsinn deutliche Geschlechtsunterschiede gebe, wie man es auch schon von anderen Sinneswahrnehmungen kenne - © APAweb/VBK Wien, 2011

London. Auch beim Sehen gibt es den kleinen Unterschied: Männer können schwache Kontraste und schnelle Bewegungen besser erkennen als Frauen. Außerdem nehmen männliche Probanden dieselben Farbtöne etwas bläulicher wahr als ihre weiblichen Gegenparts, wie US-amerikanische Forscher herausgefunden haben.

  Die Ergebnisse zeigten erstmals, dass es auch beim Sehsinn deutliche Geschlechtsunterschiede gebe, wie man es auch schon von anderen Sinneswahrnehmungen kenne, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology of Sex Differences".

Auf der Suche nach der Ursache  
Noch ist nicht geklärt, was diese Unterschiede verursacht. Die Wissenschafter vermuten aber, dass das Geschlechtshormon Testosteron dafür verantwortlich sein könnte, das bei Männern in höherer Konzentration vorkommt. Von diesem Hormon sei bekannt, dass es beim Ungeborenen die Bildung von Gehirnzellen im Sehzentrum und von Nervenverbindungen fördere, sagen die Forscher. Dies könnte den Männern ihr besseres Kontrast- und Bewegungssehen verleihen.

  Man wisse bereits, dass Frauen besser hören können als Männer und auch auf Düfte, Berührungen und Geschmacksreize sensibler reagieren, erklären Israel Abramov von der City University of New York und seine Kollegen. Obwohl aber der Sehsinn für den Menschen besonders wichtig sei, habe man ihn zuvor nicht auf solche Differenzen hin getestet.


Der Test und dessen Ergebnisse
"Das ist überraschend, denn gerade das primäre Sehzentrum hat vermutlich die höchste Dichte von Andockstellen für das männliche Geschlechtshormon Testosteron im gesamten Gehirn", schreiben die Forscher. Das lege nahe, dass dieses Hormon und damit die Geschlechtszugehörigkeit auch das Sehen beeinflusse.

  In einem Test sollten Männer und Frauen Muster aus unterschiedlich eng stehenden parallelen Streifen erkennen. Je enger die Streifen wurden, desto deutlicher habe sich gezeigt, dass die Männer feine Kontraste besser erkennen konnten. Auch bei schnellen Wechseln lagen die Männer in Bezug auf die Ausrichtung der Streifen häufiger richtig als die weiblichen Teilnehmer.

  Beim Farbtest sollten die Betrachter angeben, wie viel Prozent Rot, Grün, Blau oder Gelb das Licht enthielt. Über fast das gesamte Farbspektrum hinweg hätten die Männer die Farbtöne leicht bläulicher wahrgenommen als die Frauen - ihre Wahrnehmung sei demnach leicht in Richtung kürzerer Wellenlängen verschoben.