Die Blätter der Bäume sind (üblicherweise) grün, der Himmel ist blau, die Zitrone gelb und Blut ist rot. Ganz selbstverständlich benennen wir Farben, ordnen ihnen sogar Emotionen zu und sehen zum Glück nicht immer alles nur Schwarz-Weiß. Doch laut Definition des Internet-Lexikons Wikipedia ist Farbe "lediglich eine individuelle visuelle Wahrnehmung, die durch Licht, das in dem für das menschliche Auge sichtbaren Bereich liegt, hervorgerufen wird." Eckart Voland, Professor für Biologie und Philosophie, bezeichnet Farben als "vom Gehirn generierte Erlebnisqualitäten bloßer elektromagnetischer Strahlung in einer absolut farblosen Welt", eine Ansicht, die auch der deutsche Biologe und Hirnforscher Gerhard Roth vertritt: Er betrachtet die "erlebte Wirklichkeit unserer Welt einschließlich Farben und Musik" nur "als die durch unser Gehirn interpretierte Realität."

Auge ans Gehirn

Da macht es einem die Physik einfacher, die Farbe schlicht als Licht definiert. Jede Farbe hat eine andere Wellenlänge, die in Nanometern gemessen wird. Eine bestimmte Farbe hat mehrere Frequenzen beziehungsweise Wellenlängen, Farbe ist daher eine spektrale Zusammensetzung von Licht.

Die Farbwahrnehmung selbst entsteht aus dem Zusammenspiel von Auge und Gehirn, wobei ersteres eine besondere Einrichtung besitzt, ohne die das Sehen von Farben grundsätzlich nicht möglich wäre: die Zapfen. Rund sechs Millionen davon befinden sich auf der Netzhaut des Auges, drei verschiedene Sorten für jeweils bestimmte Lichtwellenlängen. Nach ihrer maximalen Farbempfindlichkeit werden die Zapfen Blau, Grün und Rot genannt - sie entsprechen den Grundfarben, aus denen wiederum alle etwa sieben Millionen Farben gemischt sind, die der Mensch sehen kann. Was aber noch lange nicht heißt, dass wir alle tatsächlich denselben Farbton sehen, wenn wir "blutrot" sagen, denn eine objektive Aussage über den subjektiven Farbeindruck ist nicht möglich. Das gilt sowohl für Menschen als auch für Tiere, denn auch sie können zum überwiegenden Teil Farben sehen. Welche Farbvorstellungen Tiere haben, wissen wir zwar nicht, ganz offensichtlich unterscheiden sich aber sogar die Farb-Wahrnehmungen der verschiedenen Tierarten. Die Ursachen dafür liegen wohl in der Evolutionsgeschichte.

Mitunter hat eine unterschiedliche Farbwahrnehmung oder das Unvermögen, Farben zu sehen, organische Ursachen: Farbfehlsichtigkeit tritt als Rot- oder Grün- beziehungsweise Rot-Grün-Blindheit auf, aber auch Blaublindheit oder Blau-Gelb-Sehschwäche kommt vor - diesen Menschen oder Tieren fehlen die entsprechenden Zapfentypen. Beim Menschen sind häufiger Männer davon betroffen, die Ursache für Farbfehlsichtigkeit ist genetisch bedingt.

Das Auge und die Zapfen allein ermöglichen es uns jedoch noch nicht, Farben zu sehen, dazu bedarf es noch der Umsetzung im Gehirn. Die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts bilden einen Farbreiz, der in den Sinneszellen Wechselwirkungen hervorruft. Diese wiederum werden an das Zentralnervensystem weitergeleitet, das sie verarbeitet - Farbe entsteht.

Nur Namen?

Farben sind gelernt, wir verbinden die Bezeichnung Blau mit einer ganz bestimmten Farbe - die allerdings Nuancen haben kann, die wir ebenfalls mit einem Wort beschreiben: Himmelblau, Dunkelblau, Blassblau. Es ist eine konventionelle Übereinkunft über Generationen und sie wird bereits in der Kindheit gelernt. Doch manchmal hat eine Sprache keinen Namen für eine Farbe (so fanden Orange oder Magenta erst spät Eingang in den deutschen Wortschatz) oder aber die Wortbedeutung unterliegt einem Wandel. Mit "blond" wird eine Haarfarbe lediglich bei Menschen bezeichnet, derselbe Farbton heißt bei Tieren dagegen "falb".

Farben werden gerne mit Emotionen verknüpft, so sehen wir rot, wenn wir wütend sind, wir werden gelb vor Neid, grün vor Eifersucht oder wir sehen alles rosa, wenn wir glücklich sind. Farben können optische Eindrücke verändern und wir geben ihnen Eigenschaften wie warm (die Farbbereiche von Rosa und Purpur bis Gelb) und kalt (von Blauviolett bis Grün) und nutzen all diese Qualitäten bei der Gestaltung von Räumen und Gärten oder zum Unterstreichen einer Botschaft in der Werbung oder der Mode.

David Oliver, der britische Innenarchitekt und Gründer des bekannten Farbgeschäftes "Paint & Paper Library" in London, sagt dazu: "Farbe drückt nicht nur den persönlichen Geschmack aus, sondern kann auch Stimmung und Verhalten beeinflussen. Farbe definiert unsere Lebenswelt. Die Augen registrieren die Farbe eines Gegenstandes, ehe wir seine Form erkennen. Ein gelungenes Farbschema kann den Elementen eines Raumes oder einer Wohnung eine Ordnung verleihen, Grenzen markieren, Bereiche oder Funktionen definieren." Wichtig sind für ihn auch Faktoren wie Licht, Umgebung oder Proportion: So macht er etwa die Wandfarbe eines kleinen, nach Norden ausgerichteten Raumes von dessen Verwendung und der Qualität des Tageslichts abhängig: "In Schweden würde ich starke, helle Farben verwenden, in England greife ich gerne zu Ocker oder Tabakbraun - diese Farben wärmen den Raum und machen ihn gemütlich."