Wien. Der Naturschutz von heute hat nur mehr wenig mit der romantischen Vorstellung eines "Rangers" gemein. Der moderne Naturschutz bedeutet 2012 mehr denn je, vor allem Kommunikationsarbeit zu leisten.

Donau-Auen: In der Au sorgen Bagger für Erklärungsnot und stoßen auf Widerstand. - © donau-auen/Kovacs
Donau-Auen: In der Au sorgen Bagger für Erklärungsnot und stoßen auf Widerstand. - © donau-auen/Kovacs

2010 ergab eine Studie anlässlich des "Jahres der Biodiversität", dass rund 60 Prozent der Gesamtfläche Österreichs natürlich bis naturnah einzuschätzen sind. 43 Prozent der Landschaft sind in Österreich naturschutzrechtlich geschützt. Dass sich Mensch und Wirtschaft nicht auf die restlichen 57 Prozent aufteilen können, liegt auf der Hand. Weniger offensichtlich verhält es sich mit der Frage nach der Art und Weise der Bewirtschaftung. Wie viel und in welcher Form ist dies einem Ökosystem zumutbar? Vor allem dort, wo diverse Interessen aus verschiedensten Bereichen der Wirtschaft, Politik, Ökologie und der zivilen Bevölkerung zur Disposition stehen, sind Auseinandersetzungen nicht die Ausnahme, sondern die logische Konsequenz.

Nicht nur auf dem Papier

Vom 13. bis 15. September trafen sich Vertreter aus ganz Europa, um über Möglichkeiten und Wege zu debattieren, wie ein Management geschützter Natura 2000 Gebiete (ein Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, Anm.) optimiert und professionalisiert werden könnte. "In vielen Natura 2000 ist das nötige Verständnis für Planung und Management noch nicht gegeben", kritisiert Denise Zak von der TU Wien. Zwar können sich Österreichs Natura 2000 im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen, doch sind es immer wieder Staatsgrenzen übergreifende Naturschutzgebiete, welche den Verantwortlichen Kopfschmerzen bereiten. Dort würde es oft an "länderübergreifenden Konzepten" mangeln, so Zak weiter. Der Infrastrukturexperte Michael Getzner von der TU Wien betont außerdem, dass es dabei nicht getan ist, Naturschutz lediglich auf Papier zu deklarieren, sondern dieser auch umzusetzen sei. Dabei gilt es, zunächst auch weitaus immanenteren Problemen Beachtung zu schenken. So ist die Zivilbevölkerung gewissermaßen ebenso in die Pflicht genommen. Vor allen Dingen dort, wo sich Mensch und Tier in Konkurrenz begeben, wie beispielsweise im Fischfang. Für solche Fälle sucht man noch nach geeigneten Kompensationsprogrammen, um etwaige Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Natur entgegenzuwirken.

Bagger inmitten der Au


Aktuell findet die Debatte im Spannungsfeld von Biodiversität und Wirtschaft in der Au ihren Niederschlag. Lange blieb man dem Ductus treu, die Natur konservieren zu wollen. Doch in dynamischen Systemen sei so ein Vorgehen nicht möglich. "Die Donau war immer ein dynamisches System, man kann nicht einen künstlichen Zustand erhalten, die Dynamik muss wiederhergestellt werden", erklärt Nationalpark-Direktor Carl Manzano.

2005/06 begann man mit den ersten baulichen Veränderungen auf einer Länge von fast drei Kilometern. Dabei handelt es sich um das Pilotprojekt bei Bad Deutsch-Altenburg, wo es primär um die Stabilisierung der Donausohle und den Uferrückbau gehen soll. Profitieren würde davon aber nicht nur das Ökosystem Au, sondern auch die Schifffahrt. Durch die Sohlestabilisierung würde es zwangsläufig zu einem Anstieg des Wasserspiegels kommen. Resultat wäre eine Win-Win-Situation zwischen Schifffahrt und Ökosystem Au.

"Inhaltlich ist es ein vorwiegend ökologisches Projekt, von der Finanzierung allerdings ein reines Infrastrukturprojekt. Daher ist es scheinbar nur schwer zu verkaufen", sagt Manzano, angelehnt an die Kritik diverser Umweltschutzverbände, welche im Naturversuch lediglich die Baufirmen als Profiteure sehen. Aktuell scheinen die Zeichen auf Baggern zu stehen, hoffentlich im Sinne der Natur.