Wien.

Nicht nur Brustkrebszellen soll mit personalisierter Medizin zu Leibe gerückt werden. - © © 3d4Medical.com/Corbis
Nicht nur Brustkrebszellen soll mit personalisierter Medizin zu Leibe gerückt werden. - © © 3d4Medical.com/Corbis
(gral/ag) 3,2 Millionen Menschen erkrankten im Jahr 2008 in Europa an Krebs. Die Zahl der Todesopfer betrug 1,7 Millionen. Die moderne Krebstherapie kann die Erkrankung nicht nur verlangsamen, sondern auch die Gesamtkosten reduzieren. Daher muss in Europa ein annähernd gleicher Zugang zur Onkologie hergestellt werden, betonten Wissenschafter am Dienstag zum Abschluss des Europäischen Krebskongresses (Esmo) in Wien.

"Die personalisierte Onkologie ist der Traum jedes Krebsspezialisten", erklärte Esmo-Präsidentin Martine Piccart. Doch die Forschungsarbeiten dazu werden noch Jahre dauern.

Dabei wird die individuelle Tumorerkrankung molekularbiologisch charakterisiert, um eine maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können. Es wird nach dem jeweils möglichst exakt passenden, daher wirksamsten und nebenwirkungsärmsten Mittel gesucht. Rund 70 Prozent der Patienten sprechen sich laut einer internationalen Umfrage dafür aus.

Stillstand des Melanoms


Der Wiener Onkologe Matthias Preusser von der Medizinischen Uni Wien präsentierte die möglicherweise wichtigste wissenschaftliche Arbeit. Hemmt man beim Metastasen setzenden Melanom (Hautkrebs) das Zellwachstum an zwei spezifischen Signalpunkten in der Zelle, führt das selbst im fortgeschrittenen Stadium noch zu einem Stillstand der Erkrankung. "Die Zeit bis zum weiteren Fortschreiten steigt von 5,8 auf 9,5 Monate", erklärte Preusser. Bei zehn Prozent der Behandelten verschwindet die Erkrankung sogar wieder vorübergehend. Das hat es in der Onkologie bisher noch kaum gegeben.

Effektive Therapien könnten nicht nur das menschliche Leid, sondern auch die volkswirtschaftlichen Schäden reduzieren, erklärte Christoph Zielinski, lokaler Organisator des Kongresses und Koordinator des Comprehensive Cancer Center der Medizinischen Uni Wien. "Die Gesamtkosten von Brustkrebs in der EU betragen sechs Milliarden Euro. Die größten Ausgaben sind durch Lungenkrebs mit 19 Milliarden Euro bedingt. Diese könnten gesenkt werden, wenn man die Behandlung verbessert." "Krebsmedikamente sind die Kostentreiber im Gesundheitswesen", so der britische Krebs-Epidemiologe Peter Boyle.

Mythen um die Entstehung


Über die Entstehung und Vorbeugung von Krebs scheint es noch viele Mythen und Missverständnisse zu geben, wie Derek Power vom Mercy University Hospital in Cork, Irland, berichtete. Viele Befragte einer Studie unterschätzten Krebsrisiken im Zusammenhang mit Übergewicht, Alkohol und Sonneneinwirkung. Häufig überbewertet wurde hingegen die Rolle der Genetik bei der Krebsentstehung.