Der grüne Baumpython turnt in Neuguinea und im Norden Australiens durch den Regenwald. - © corbis
Der grüne Baumpython turnt in Neuguinea und im Norden Australiens durch den Regenwald. - © corbis

Als die Schlange noch Beine besaß, war sie um Tricks und Ausreden nicht verlegen. Während die anderen Tiere gemeinsam schufteten, um in den Gärten ihre Nahrung anzubauen, drückte sie sich vor der Arbeit, wo sie nur konnte. Und weil sie dabei auch noch ein besonders nervtötendes Chefgehabe an den Tag legte, forderte sie schließlich auch niemand mehr zum Mitmachen auf.

Dann aber verschwand auf mysteriöse Weise immer wieder ein Teil der Ernte. Anansi, die listige Spinne, schmierte daraufhin Teer rings um die Gärten - und schon am nächsten Tag saß die Schlange in der klebrigen Falle fest. Als die Bestohlenen sie wutentbrannt herausgezerrt hatten, war die überführte Diebin nicht nur deutlich länger und dünner geworden als zuvor. Sie musste von da an auch auf dem Bauch herumkriechen, weil ihre Beine noch immer im Teer steckten.

Unterschiedliche Hüllen


Biologen mögen die Evolution der Schlangen ein bisschen anders beschreiben als diese Geschichte aus Ghana. Klar ist aber, dass sich diese Reptilien vor etwa 150 Millionen Jahren tatsächlich aus vierbeinigen Tieren entwickelt haben. Der Verzicht auf die Extremitäten brachte allerdings neue Herausforderungen, an die sich die Tiere anpassen mussten. So ist das beinlose Schlängeln über Stock und Stein extrem belastend für die Haut. Zumal sich einige Schlangenarten auch nicht davor scheuen, die raue Borke von Baumstämmen hinaufzuklettern oder sich in schmirgelndem Sand einzugraben. Das alles muss eine Schlangenhaut über zwei bis drei Monate durchhalten, bis die Tiere sie abstreifen und durch eine neue ersetzen. Warum aber ist die Haut bis dahin nicht längst verschlissen? Diese Frage finden Marie-Christin Klein und Stanislav Gorb von der Universität Kiel extrem spannend. Vielleicht könnte man von den Reptilien lernen, wie sich besonders verschleißarme Materialien für technische Anwendungen konstruieren lassen? Dazu aber müsste man die physikalischen Tricks der Tiere zunächst besser verstehen. Also versuchen die Forscher nun, zumindest ein paar Geheimnisse der Schlangenhaut zu lüften.

"Wir haben vermutet, dass sich Schlangen mit unterschiedlichen Lebensstilen auch in der Architektur ihrer Haut unterscheiden", erläutert Klein. Schließlich sind kriechende Baumbewohner mit anderen mechanischen Herausforderungen konfrontiert als ihre Kollegen in der Wüste. Also hat die Forscherin die Häute von vier verschiedenen Arten genauer unter die Lupe genommen. Das Spektrum reichte vom Grünen Baumpython, der in Neuguinea und im Norden Australiens durch den Regenwald turnt, bis zur Kenianischen Sandboa, die sich in den Sand der Trockengebiete Ostafrikas wühlt. Die dekorative Regenbogenboa aus den tropischen Regenwäldern Mittelamerikas ist dagegen ein echtes Multitalent, das ebenso gut schwimmen wie klettern oder sich eingraben kann. Dabei sollte ihre schillernde Haut besonders hohen Belastungen ausgesetzt sein - schließlich handelt es sich bei dem mehr als zwei Meter langen Tier um die größte und schwerste der untersuchten Schlangen. Als vierte Art hat die Forscherin die Kettennatter ausgesucht - eine schlanke, lange und schnelle Schlange, die im Südosten der USA und in Mexiko lebt.