Klosterneuburg. (apa/est) Die Frage, warum die Natur den Sex erfunden hat, stellte schon Charles Darwin vor ein Rätsel. Populationsgenetisch hat die sexuelle Fortpflanzung gegenüber der asexuellen nämlich Nachteile. Forscher um Christos Papadimitriou, Professor für Computerwissenschaften an der University of California in Berkeley, bringt nun als Erklärungsmodell die "Mischbarkeit" von Genen ins Spiel, die robustere, weil genetisch flexiblere Organismen hervorbringt.

Bisherige Annahmen zur Rolle von Sex in der Evolution gingen davon aus, dass die geschlechtliche Fortpflanzung die Fitness der Population zu erhöhe. Wegen der Partnersuche und des Energieverbrauchs ist der Sex aber reichlich unökonomisch. Zudem verliert sich der Vorteil guter Gene für die Gesamtpopulation: Selbst wenn ein Sexualpartner nahezu perfektes Erbgut mitbringt, verwässert es sich durch die Rekombination mit weniger perfekten Genen.

Widerstandsfähiges Genom


Papadimitriou hat einen radikalen Gedanken entworfen: "Was, wenn Sex die Fitness nur mittelmäßig verbessert? Was, wenn er für etwas anderes gut ist, und dieses andere ist der eigentliche Sinn und Zweck von Sex in der Evolution?" Per Computersimulation gelangte der Forscher zu dem Schluss, dass die asexuelle Vermehrung die Fitness der Population erhöht, weil die Erbinformation der besten Gene unverändert weitergegeben wird. Die Selektion würde jedoch bei der geschlechtlichen Fortpflanzung die "Mischbarkeit" von Genen steigern. Laut Papadimitriou,der Montagabend einen Vortrag am Institute of Science and Technology (IST) Austria hielt, werden dabei zwar nicht unbedingt die besten Genvarianten bevorzugt, wohl aber die richtigen, weil am flexibelsten kombinierbaren. Je höher die Mischbarkeit ist, desto flexibler und widerstandsfähiger wird das Genom.