Bern. Nach einem Schlaganfall sind schädliche Immunzellen nicht für das Absterben von Nervenzellen im Gehirn verantwortlich, wie ein Forscherteam mit Berner Beteiligung herausgefunden hat. Die Erkenntnisse eröffnen völlig neue Ansätze für die Behandlung von Schlaganfällen.

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Durchblutung des Gehirns unterbrochen wird. Häufig geschieht dies durch ein Blutgerinnsel. Die verminderte Durchblutung führt zu einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen. Innerhalb von Stunden sterben Nervenzellen ab. Die Zellen des Immunsystems versuchen dann, tote Gehirnzellen zu entsorgen und wandern aus dem Blutkreislauf in das betroffene Gehirnareal ein. Bisher ging man davon aus, dass hierbei eine Gruppe von Immunzellen, die neutrophilen Granulozyten, auch in das Gehirn gelangen und dort weitere Nervenzellen töten. Sie sind darauf spezialisiert, bei Infektionen schnell zur reagieren, Keime zu zerstören und tote Zellen zu fressen.

Radikales Umdenken nötig


Wie nun gezeigt, bleiben die neutrophilen Granulozyten nach einem Schlaganfall in den Gefäßen stecken und wandern nicht in das Gehirngewebe. Im Gegensatz zur Lehrmeinung gelangen sie nicht in die Nähe der Nervenzellen. Ob die Zellen aber zu einer lokalen Störung der Blut-Hirn-Schranke führen, bleibt zu zeigen. Die Experten fordern ein radikales Umdenken hinsichtlich der Ursachen des Sterbens der Nervenzellen.