Wien. (est) Erst kürzlich konnte der Wiener Ökologe Georg Grabherr, "Wissenschafter des Jahres" 2012, nachweisen, dass Gebirgspflanzen wie etwa der Enzian bis zu drei Viertel ihres Lebensraums durch die Erderwärmung verlieren. Nun haben US-Forscher eine weitere Auswirkung der steigenden Temperaturen auf die Pflanzenwelt festgemacht: Außerordentlich hohe Frühlingstemperaturen lassen Bäume, Sträucher und Blumen im Osten der USA so früh erblühen wie nie zuvor.

"Die Blütezeiten sind ein gut dokumentierter Nachweis der Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem", berichten die Biologen um Elizabeth Ellwood von der Universität Boston im Fachjournal "PLoS One". Unklar sei jedoch, wie sich die Entwicklung fortsetzen wird bei weiter steigenden Temperaturen.

Vier Tage pro Grad Celsius


Um eine Prognose ableiten zu können, verglichen die Forscher historische mit heutigen Daten. Der Autor Aldo Leopold notierte von 1935 bis 1945 die Blütezeiten in Dane County, Wisconsin, und der Dichter und Forscher Henry David Thoreau machte von 1852 bis 1858 im Bundesstaat Massachusetts entsprechende Aufzeichnungen. Die Forscher verglichen diese Daten mit jenen aus den Jahren 2010 bis 2012, die extreme Wetterphänomene an der US-Ostküste brachten. 2012 kamen die Blüten in Massachusetts rund einen Monat früher hervor als zu Beginn der Aufzeichnungen. Die Forscher folgern daraus, dass pro Grad Celsius Temperaturanstieg Pflanzen um bis zu vier Tage früher Blüten entwickeln. "Unsere Daten zeigen, dass die Pflanzen ihre Blütezeit immer weiter nach vorne verlegen, je stärker sich das Klima erwärmt", sagte Ellwood. Die Auswirkungen auf das Ökosystem und die Bestäuber seien noch nicht erforscht.