Freiburg/Wien. (est) Den eigenen Fingerabdruck aus vielen erkennt ein Mensch kaum. Aber sein Gehirn weiß punktgenau, wie er selbst riecht. Deutsche Wissenschafter haben gezeigt, warum dem so ist. Demnach erkennen wir unseren eigenen Geruch auf der Basis unserer individuellen MHC-Proteine, berichten die Forscher um Thomas Böhm vom Max Planck Institut Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg in den "Proceeedings of the Royal Society B".

Es handelt sich dabei um Eiweißmoleküle, die der Körper benützt, um eigenes Gewebe von fremdem zu unterscheiden. Ist eine Zelle mit den persönlichen MHC-Varianten ausgestattet, lässt das Immunsystem sie in Ruhe. Ist sie es nicht, steigt die Körperabwehr auf den Plan.

Laut der Studie dient das Phänomen auch der Partnerwahl. Bekannt ist, dass die MHC-Moleküle die Kommunikation zwischen Tieren befördern, etwa bei Mäusen und Fischen. Sie wählen Partner eines anderen MHC-Typs, um die Körperabwehr der Nachkommen zu stärken. Böhm und seine Kollegen haben nun getestet, ob das auch bei Menschen der Fall ist.

22 Frauen sprühten sich verschiedene synthetische Lösungen, unter die Achseln und gaben an, welche sie am liebsten rochen. Das Experiment wurde mit jeder Probandin bis zu sechs Mal wiederholt. Wie sich zeigte, bevorzugten Nichtraucherinnen und jene, die keinen Schnupfen hatten, einen synthetischen Geruch, der ihre eigenen MHC-Proteine enthielt. In einer zweiten Testreihe beobachteten die Forscher mittels Hirnscan die Gehirnaktivität. "Es gab einen klaren Unterschied in der Reaktionen zwischen eigenen und fremden Gerüchen", so Böhm. Jedwede Präferenz für andere Odeurs sei auch eine Präferenz für andere Menschen.

Vorherige Studien hatten gezeigt, dass auch Menschen bei der Partnerwahl Individuen mit anderen MHC-Eiweißen bevorzugen. "Nun zeigt sich, dass die Menschen über den Geruch zwischen sich selbst und anderen unterscheiden", erklärt Claus Wedekind, Biologe an der Universität Lausanne, in "Science".

Auch die Frage, welches Parfum jemand bevorzugt, wird von den Immungenen gelenkt. Während der Duft von Pfirsich vielleicht auf dem eignen Körper am besten zur Geltung kommt, entfaltet sich Vanille optimal auf jenem der besten Freundin. Oder während man pudrige Düfte durchaus an anderen Menschen zu schätzen vermag, kann man sich selbst damit vielleicht durchwegs nicht riechen.