Zürich. (dpa) Schon Gletschermann "Ötzi" litt unter schlechten Zähnen. Ähnlich wie heutige Menschen plagten ihn vor mehr als 5000 Jahren Karies und Parodontitis. Zudem war einer seiner Frontzähne - vermutlich unfallbedingt - abgestorben, wie Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin (ZEM) der Universität Zürich nachweisen konnten.

An der Gletschermumie hätten sich "zahlreiche auch heue noch weit verbreitete" Zahnerkrankungen gezeigt, erklärte Studienleiter Frank Rühli zu den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen. Sie würden Hinweise geben auf das Ernährungsverhalten des neolithischen Mannes aus dem Eis und zur Evolution von Zahnkrankheiten. Der Zürcher ZEM-Dentist Roger Seiler wertete computertomografische Daten zum Gebiss "Ötzis" aus. "Der Schwund des Zahnhalteapparates war schon immer eine häufige Erkrankung, zeigen Schädelfunde aus der Steinzeit", erklärte Seiler. "Ötzi" erlaube einen Einblick in eine frühe Form dieser Erkrankung. Rekonstruktionen von Gebiss und Mundhöhle zeigten, wie sehr der "Eismann" unter fortgeschrittener Parodontitis litt. Vor allem im Bereich der hinteren Backenzähne fand Seiler einen Verlust des parodontalen Stützgewebes bis zur Wurzelspitze. Zwar habe "Ötzi" wohl kaum seine Zähne geputzt. Die abschleifende Nahrung hätte jedoch zur Selbstreinigung beigetragen.

Parodontitis wird auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Schon frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass "Ötzi" unter Arterienverkalkungen litt. Seine Karies führen die Forscher jedoch auf eine stärkehaltige Nahrung zurück, wie sie mit dem Ackerbau in der Jungsteinzeit konsumiert wurde.