Brüssel. Im Kampf gegen das Bienensterben stehen drei umstrittene Pestizide in der Europäischen Union vor einem Teilverbot. In der entscheidenden Sitzung in Brüssel stimmten 15 EU-Länder dafür, den Einsatz der Mittel einzuschränken, wie EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Montag mitteilte. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei der EU-Kommission, die ein Verbot befürwortet. Österreich stimmte als eines von acht Ländern gegen das Verbot. Umweltschutzorganisationen forderten umgehend den Rücktritt von Umweltminister Niki Berlakovich (V).

  Berlakovich begründete die Ablehnung unter anderem mit "fehlenden wissenschaftlichen Studien zum Bienensterben", wie sein Sprecher der APA am Nachmittag sagte. "Unser Ziel bei der Abstimmung war es, dass man Bienen- und Pflanzenschutz verbindet." Ein österreichischer Kompromissvorschlag sei in Brüssel nicht zur Abstimmung gebracht worden, bedauerte man im Ministerium in Wien. Zum Einsatz von - bienenschädlichen - Beizmitteln meinte der Sprecher: Mehrere EU-Staaten hätten angekündigt, im Fall eines Verbots dieser Pestizide gentechnisch verändertes Saatgut anzubauen. "Das wollen wir in Österreich nicht." Berlakovich fürchtet also, dass dann Gen-Saatgut auch auf heimischen Feldern landen könnte.

Schaden für die Kleinbauern
 
Weiters komme es bei einem Verbot zu großflächigen Pestizidspritzungen, was insgesamt ein Mehr an Chemie bedeuten würde, argumentierte der österreichische Landwirtschaftsminister. Und: Ein Pestizidverbot träfe hauptsächlich Kleinbauern. Diese hätten oft Probleme mit einer vielfältigen Fruchtfolge, da sie mit ihr die Futtergrundlage für ihre Tiere nicht am eigenen Betrieb erzeugen könnten.

  Die drei Pestizide stehen im Verdacht, Bienensterben zu verursachen. Borg hatte vorgeschlagen, die drei Pestizide aus der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps sowie Baumwolle für vorerst zwei Jahre zu verbieten. Erlaubt bleiben soll der Gebrauch der Chemikalien für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anlocken. Nach zwei Jahren will die EU-Kommission die Maßnahmen überprüfen.

  Kritiker warnen, dass Neonicotinoide neben tödlichen Vergiftungen auch dazu führen, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in die Bienenstöcke zurückfinden. Der deutsche Chemiekonzern Bayer betont hingegen, dass die Stoffe bei richtiger Anwendung nicht schädlich für Bienen sind. Das Unternehmen sieht Umwelteinflüsse und Krankheiten wie Milben als Hauptgründe für das Bienensterben.