Angelika Amon erforscht die Krebsentstehung. - © apa/Jung-Stiftung
Angelika Amon erforscht die Krebsentstehung. - © apa/Jung-Stiftung

Hamburg/Wien. Die aus Österreich stammende Molekularbiologin Angelika Amon (46) vom Howard Hughes Medical Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) ist Freitagnachmittag in Hamburg mit dem Ernst Jung-Preis für Medizin geehrt worden. Sie teilt sich die von der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung vergebene, mit insgesamt 300.000 Euro dotierte Auszeichnung - einer der höchsten Medizin-Preise in Europa - mit Ivan Dikic, Direktor am Institut für Biochemie II der Frankfurter Goethe-Universität.

Angelika Amon ist den zellulären Ursachen der Krebsentstehung auf der Spur. Sie erforscht an Hefezellen das Phänomen der "Aneuploidie". Damit werden bei der Zellteilung entstehende Gendefekte bezeichnet, die in fehlenden oder überzähligen Chromosomensätzen bestehen können und für schwerste Erkrankungen, unter anderem Krebs, verantwortlich sind. "Ein grundlegendes Verständnis dieser Mechanismen wird es uns erlauben, geeignete Diagnosen und Therapien zu entwickeln", betonte Ernst Hafen von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in seiner Laudatio auf Amon.

Hafen veranschaulichte dabei die gigantischen Dimensionen des täglich millionenfach im Körper stattfindenden Zellteilungsprozesses. Wenn aus einer Zelle zwei neue Zellen entstehen sollen, entspreche das dem fehlerfreien Kopieren einer Datenmenge von sechs Milliarden Buchstaben. Gelingt das Kopieren nicht korrekt, fehlen Chromosomen oder sind zu viele vorhanden, entsteht eine Genommutation, die man als Aneuploidie bezeichnet.

Amon und ihr Team erforschen die Auswirkungen der Aneuploidie auf die Zelle. "Das hat uns erlaubt, den Krebs mit anderen Augen zu sehen und eine Achillesferse zu finden", sagte sie jüngst in einem APA-Interview. Sie sucht neue Substanzen, die diese Achillesfersen angreifen, also speziell Zellen töten, die einen falschen Chromosomensatz haben.