Wien. (est) Orchideen gedeihen gut neben Orchideen. Äpfel geben Gase ab, die andere Früchte zum Reifen anregen, und wenn in der Küche grüne Tomaten neben roten liegen, reifen die grünen nach. An sich sind die Nachbarschaftsverhältnisse der Pflanzen chemisch erklärbar - also durch Düfte und Stoffe, die sie an Luft und Erde abgeben. Australische Forscher haben nun aber eine These aufgestellt, die darüber hinausgeht. Ihnen zufolge ist die botanische Kommunikation nämlich wortwörtlich zu nehmen: Blumen, Bäume, Sträucher und Gemüse verständigen sich über Schallwellen.

Monica Gagliano und Michael Renton von der University of Western Australia haben den Einfluss von Fenchel und Basilikum auf die Keimung von Chilisamen untersucht. Demnach hat die Präsenz von Basilikum einen förderlichen Einfluss auf Chilipflanzen: Basilikum hält die Erde feucht und sie gedeihen somit besser.

Pflanzen geben Rätsel auf


Als die Forscher jedoch das Basilikum abdeckten, sodass weder chemische Kommunikation noch physischer Kontakt zwischen den Pflanzen möglich war, waren die Resultate identisch: Selbst isoliertes Basilikum schien die Chilisamen zur Keimung anzuregen. "Die Versuche zeigen, dass Pflanzen einander durch einen bisher unbekannten Mechanismus beeinflussen", sagt Galiano: "Wir vermuten, dass sie akustische Signale verwenden." Als Schallquelle haben die Biologen mechanische Oszillationen innerhalb der Pflanzenzellen im Verdacht.

Der Wiener Vegetationsökologe Georg Grabherr hält die Idee für interessant, jedoch seien weitere Experimente nötig: "Bei Pflanzen gibt es viele rätselhafte Dinge. Lotrechtes Wachstum wird durch kleine Schwerkraftorgane in den Wurzeln, Statolithen, erklärt. Nur: Viele Pflanzen besitzen keine Statolithen. Lotrecht wachsen können sie dennoch", so Grabherr.