London/New York. (dpa) Neandertaler-Kinder sind möglicherweise bereits relativ früh abgestillt worden. Dies lege die Untersuchung eines fossilen Zahnes von einem Kind aus der Altsteinzeit nahe, berichten Forscher aus den USA und Australien in "Nature". Sie hatten gezeigt, dass sich der Barium-Gehalt im Zahnschmelz bei der Umstellung von Milch auf feste Nahrung messbar verändert. Das Ergebnis der Studie: Das Kind wurde gut sieben Monate voll gestillt und bekam dann eine Weile zusätzlich feste Nahrung.

Die Methode ermögliche neue Untersuchungen zur Ernährung unserer frühen Verwandten, was Rückschlüsse auf deren Lebensweise erlaubt. Der Zeitpunkt des Abstillens könne viel über die Entwicklung und Vermehrung der Neandertaler verraten, schreiben die Forscher. So beeinträchtige ein frühes Abstillen möglicherweise die Gesundheit der Kinder. Allerdings erlaube es, schneller wieder schwanger zu werden, wodurch die Population wachse.

Bisher habe man die Ernährung zu Beginn des Lebens kaum rekonstruieren können. Mit der Barium-Verteilung im Zahnschmelz scheint man einen Marker gefunden zu haben. Barium wird mit der Nahrung aufgenommen. Im Mutterleib bleiben die Zähne im Kiefer nahezu frei davon, weil dieses chemische Element die Plazenta schlecht passiert. Nach der Geburt gelangt es mit der Muttermilch in den Körper des Kindes und lagert sich im Zahnschmelz ab. Wachstumsringe der Zähne ermöglichen eine zeitliche Zuordnung.