West Lafayette. Auf der Mondoberfläche gibt es Mineralien von ungeklärter Herkunft, etwa Spinell oder Olivin. Sie finden sich häufig im Zentrum großer Krater, wie Copernicus oder Tycho. Bisher dachte man, die Gesteine seien beim Einschlag von Asteroiden aus dem Mondinneren an die Oberfläche befördert worden. Forscher gingen zudem davon aus, dass Projektile im inneren Sonnensystem mit solcher Wucht auftreffen, dass sie beim Aufprall vollständig verdampfen.

Planetenforscher um Jay Melosh von der Purdue University im US-Staat Indiana haben nun diese Annahme durch Computersimulationen mit Asteroiden eines Durchmessers von sieben Kilometern überprüft. Sie ließen die himmlischen Geschosse mit Geschwindigkeiten von 6 bis 16 Kilometern pro Sekunde auf den Mond treffen. Ein Großteil der Geschosse würde nicht verdampfen, sondern im Krater verbleiben, berichten sie in "Nature Geosciences". Das verteilte Material könnte sich dann im Zentrum der Krater angehäuft haben. Solche Rückstände könne es auch auf anderen Himmelskörpern geben, etwa dem Mars. Auf der Erde sind größere Rückstände von Meteoriten kaum zu finden, weil die Einschlaggeschwindigkeit bedingt durch die größere Anziehungskraft höher ist als auf dem Mond.

In einem Kommentar weist Erik Asphaug von der Arizona State University in Tempe auf eine spannende Möglichkeit hin: Manche Ablagerungen könnten aus dem Mantel der frühen Erde stammen und vor vier Milliarden Jahren durch Meteoriten aus dem jungen Planeten herausgeschlagen worden sein. Möglicherweise habe der Erdbegleiter Teile dieses Gesteins eingefangen und konserviert. Auf der geologisch viel aktiveren Erde sind Gesteine dieses Alters längst verschwunden. Auf dem Mond könnten die Relikte jedoch sogar Spuren von erstem Leben enthalten, betont er.