China hat bald nicht mehr die meisten Einwohner. - © ap
China hat bald nicht mehr die meisten Einwohner. - © ap

New York. Die Menschheit wächst schneller als erwartet und könnte schon in zwölf Jahren die achte Milliarde zählen. Während Europa schrumpft, findet das Wachstum nach dem am Donnerstag in New York vorgestellten Bevölkerungsbericht der Vereinten Nationen praktisch ausschließlich in Entwicklungsländern statt. Nigeria, heute 160 Millionen, könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts seine Einwohnerzahl verdoppeln und die USA überholen - mit dramatischen sozialen Folgen.

Im Herbst 2011 hatte die Menschheit die siebente Milliarde erreicht. Das neue Szenario der UNO berechnet bis 2025 etwa 8,1, bis 2050 insgesamt 9,6 und am Ende des Jahrhunderts 10,9 Milliarden Menschen.

Dabei ist die Entwicklung höchst unterschiedlich. Europa soll bis zur nächsten Jahrhundertwende 14 Prozent verlieren, von 742 auf 639 Millionen Menschen. Zwar werde die Geburtenrate von jetzt 1,5 je Mutter auf 1,9 Kinder deutlich steigen, das sei aber immer noch weniger als die 2,1 Kinder pro Mutter, die für eine stabile Einwohnerzahl nötig sind.

In Afrika beträgt dieser Wert 4,9 Kinder pro Mutter. Die Zahl der Afrikaner soll sich deshalb bis 2100 fast vervierfachen, von heute 1,1 auf 4,2 Milliarden. Allerdings bei einer drastisch sinkenden Fertilitätsrate: Im Jahr 2050 soll sie nur noch bei 3,1 und 2100 bei 2,1 liegen. Doch die Einwohnerzahl steigt noch aus einem anderen Grund: Die Menschen werden immer älter. In den letzten fünfzig Jahren ist die Lebenserwartung von 47 auf 69 Jahre gestiegen. Bis 2050 soll sie 76 Jahre erreichen und bis 2100 sogar 89 Jahre in entwickelten Ländern. Aber selbst in Dritte-Welt-Ländern sollen es noch 81 Jahre sein.

In ihrer letzten Prognose hatten die Gutachter die Fruchtbarkeitsrate unterschätzt. Die ist auch in Asien höchst unterschiedlich. Schon in 15 Jahren soll Indien China als bevölkerungsreichstes Land bei etwa 1,45 Milliarden Einwohnern überholen. Allerdings soll die Zahl in beiden Ländern sinken: In Indien nach einer Spitze von 1,6 auf 1,5 Milliarden bis 2100. China könnte dann nur noch 1,1 Milliarden Einwohner haben und vielleicht auch hinter Nigeria, das dann ähnlich bevölkerungsreich ist, zurückfallen.