Wien. (est) Ob für die Bienen eine Blumenwiese wohl ein Schlaraffenland ist? Vermutlich nicht. Eher ist sie mit einem Überangebot zu vergleichen. Denn die fleißigen Arbeiterinnen trinken nicht aus jeder Blüte. Sondern sie entscheiden gezielt, welche Leckerbissen sie bevorzugen. Bisher gingen Biologen davon aus, dass die Insekten sich dabei vom Zuckergehalt und der Zusammensetzung des Nektars leiten lassen. Südafrikanische Forscher haben nun aber gezeigt, dass auch Temperatur und Flüssigkeitsgrad eine Rolle spielen.

Bienen im Apfelbaum

Bei der Suche nach Nektar müssen Bienen fliegen, passende Blüten finden, Nektar aufsaugen und schließlich schwer beladen wieder zum Stock zurückkehren. Die Honigbiene benötigt eine Körpertemperatur von 35 Grad, um fliegen zu können. An kühleren Tagen benötigt sie eine höhere Energiezufuhr, damit ihr warm genug ist. Dies erfolgt durch das Verbrennen von Zucker im eingesaugten Nektar. Doch Susan Nicolson und ihre Kollegen der Universität Prätoria berichten nun in den "Proceedings of the Royal Society B", dass der Nektar nicht nur süß, sondern auch warm und flüssig sein muss. Etwa können Narzissen dank Farbe und Form ihren Nektar um bis zu acht Grad wärmer halten als die Umgebungstemperatur. Die warme Zuckerlösung ist flüssiger - sie wärmt und lässt sich auch leichter aufsaugen. Das spart Energie.

Die Forscher hatten in einem umzäunten Gebiet Futterplätze aufgestellt, an denen sie die Temperatur und den Flüssigkeitsgrad des Nektars variierten. Die Versuche wurden im südafrikanischen Winter durchgeführt bei Temperaturen von 14 bis 24 Grad Celsius. Nicolson und ihr Team boten ostafrikanischen Hochlandbienen zehn-prozentige Zuckerlösungen an, die sie auf 20, 25, 30 und 35 Grad aufheizten. Im Schnitt tranken die Tiere aus der 35-Grad-Schale eineinhalb Mal so viel wie aus der 20-Grad-Schale. Das Volk sammelte 3,3 Mal so viel Nektar aus den wärmeren als aus den kälteren Schalen. Am stärksten war die Vorliebe an den kühlsten Tagen ausgeprägt. Außerdem tranken die Bienen mehr von den flüssigeren Lösungen. Die Forscher folgern, dass die Energie des warmen Nektars dabei hilft, die Körpertemperatur ausreichen hochzuhalten, und dass sich der flüssige Nektar gleichzeitig schneller und leichter einsaugen lässt.

Noch weitere neue Dinge wurden über fleißigen Insekten entdeckt. Etwa berichten australische Forscher in den "Proceedings" der britischen Royal Society, dass große Bienen-Schwärme bessere Entscheidungen treffen. Sie wählen häufiger die richtigen Nistplätze als kleinere Schwärme. Dies liege allerdings nicht an der höheren "Intelligenz" der Schwärme, sondern an der größeren und schnelleren Auswahl durch die Zahl ihrer Kundschafter. Früheren Computersimulationen hätten kleinere Schwärme gegenüber großen einen Vorteil bei der Wahl zwischen zwei möglichen Nistplätzen haben sollen, denn ihr Verhalten sollte etwas flexibler sein.