"Ohne Wasser kein Sex"


Und welche Rolle spielen nun unsere Moose? Nahrung sind sie für uns nicht. Für Allerheiligenkränze sind sie wichtig, aber: "Die Moose haben irgendwie einen Erklärungsbedarf aus rein menschlicher Sicht", sagt Grabherr. Anders ist es aus der Sicht der Natur. Moose speichern Wasser und geben es wie eine Quelle langsam wieder ab. Auf dem Waldboden bieten sie Erosionsschutz bei Regen- oder Hagelwetter. Auch die Farne brauchen die Moose, weil sie einen feuchten Untergrund benötigen, um zu wachsen um sich zu vermehren. Ohne Wasser könnten sie keine Spermatozoiden bilden, die die Eizellen befruchten - oder wie Grabherr erklärt: "Wenn sie kein Wasser haben, gibt es keinen Sex."

Moose schaffen zudem gute Wachstumsbedingungen. Es entstehen große Farne, die den Boden noch mehr festigen. "Die Summe der Serviceleistungen zeigt, dass das alles zusammenhängt. Ökosysteme wirken ineinander." Jede Art existiert als Entwicklungsgruppe in der Evolution. Das System Wald ist keine Maschine, sondern ein Naturerbe. "Doch die Beziehungen zwischen den Moosen, Bäumen und Pilzen sind nicht 100-prozentig fix. Sie schaffen das System zusammen oder gegeneinander, aber nie im Sinne von Gesetzmäßigkeiten, sondern von Beziehungen, Verbindungen und Beeinflussungen."

Österreich, Slowenien, die Schweiz und Südtirol wollen im Bereich nachhaltige Ressourcennutzung in den Alpen nun gemeinsam forschen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben Wissenschaftsminister Töchterle und seine Amtskollegen am Rande des Forum Alpbach unterzeichnet. Im Fokus stehen Forschungsprojekte über die natürlichen und sozio-kulturellen Grundlagen nachhaltiger Ressourcennutzung mit dem Schwerpunkt auf Klimawandel, Wasser und Diversität.

Zu hoffen bleibt, dass solche Forschungsprojekte ein breites Bewusstsein wecken. Denn sonst tritt ein, was Grabherr befürchtet: "Trotz Geld für die Bauern werden die Arten gehen, weil wir ihre Rolle nicht wirklich verstehen."