Göteborg. Nicht nur lang andauernder psychischer Stress im mittleren Lebensalter erhöht das spätere Alzheimer-Risiko. Wie Ergebnisse einer schwedischen Langzeitstudie zeigen, tragen wahrscheinlich auch mehrere zeitlich begrenzte Lebenskrisen wie etwa nach einer Scheidung oder während der Arbeitslosigkeit dazu bei. Die Wissenschafter vermuten, dass verschiedene Arten von psychosozialem Stress im Gehirn und in anderen Körperregionen bleibende Veränderungen verursachen, die eine Demenz begünstigen, berichtet das Wissenschafterteam um Lena Johansson von der Universität Göteborg im "British Medical Journal".

Bessere Stressbewältigung


"Frühere Studien haben gezeigt: Länger andauernde Phasen von Kummer und Leid im mittleren Alter haben Langzeitfolgen, die sich Jahrzehnte später in einem erhöhten Demenzrisiko und veränderten Hirnstrukturen auswirken", so Johansson. In ihrer Studie untersuchte sie den zusätzlichen Einfluss der Anzahl verschiedener Stressfaktoren. Grundlage dafür waren die Angaben von 800 schwedischen Frauen zwischen 38 und 54 aus dem Jahr 1968. Innerhalb eines Zeitraums von 38 Jahren nahmen die Frauen an vier weiteren Befragungen teil.

Der am häufigsten genannte Stressfaktor waren psychische Störungen eines Familienmitglieds. Bis Studienabschluss starben 425 Teilnehmerinnen. An einer Demenz erkrankten 153, davon 104 an Alzheimer. Das Durchschnittsalter, in dem Demenz diagnostiziert wurde, lag bei 78. Bei denjenigen, die bei der Erstbefragung die größte Zahl an erlebten Stressfaktoren genannt hatten, war das Demenzrisiko um 15, das Alzheimer-Risiko um 20 Prozent erhöht. Weitere Studien sollen nun prüfen, ob Therapien zur Stressbewältigung das Krankheitsrisiko verringern können, so die Wissenschafter.