Die Luft kann manchmal innen und außen schlecht sein. - © corbis
Die Luft kann manchmal innen und außen schlecht sein. - © corbis

Wien. "Wir überleben 30 Tage ohne feste Nahrung, drei Tage ohne Wasser, aber nur drei Minuten ohne Luft." Diese Aussage im "Appell Gesunde Raumluft", den am Donnerstag 15 Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft in Wien unterzeichneten, betont die Bedeutung guter Luft für die Gesundheit. Der Appell zielt vor allem auf Schutz vor Luftverschmutzung, auf Bewusstseinsbildung und Eigenverantwortung, um die Luftqualität in Innenräumen, wo man bis 90 Prozent des Lebens verbringt, zu verbessern.

Dass es punkto Raumluft in Österreich Probleme gibt, hat eine Studie der unabhängigen Plattform "MeineRaumluft" bereits im Vorjahr in Schulklassen ermittelt. Nun wurde die Lage in heimischen Büros erhoben. Die jetzt präsentierten ersten Daten stammen von kurzen Spontanmessungen in 230 Büros im Winter 2012/2013 sowie von Messungen über eine Woche in 130 Büros im Sommer und Herbst 2013. Gemessen wurden zentrale Indikatoren wie die relative Luftfeuchtigkeit (Richtwert: 40 bis 60 Prozent), die Raumtemperatur (ideal 20 bis 22 Grad), der Kohlendioxid-Gehalt - er sollte unter 1000 ppm (parts per million) liegen - sowie die Anzahl der Luftionen (zumindest 1000 pro Kubikzentimeter).

Bei den Messungen im Winter fielen die zu geringe Luftfeuchtigkeit in 22,7 Prozent der Fälle und der zu hohe CO2-Gehalt in 23,2 Prozent der Fälle auf. Der Richtwert von 1000 Luftionen pro Kubikzentimeter wurde sogar in 80 Prozent der Büros unterschritten.

Bei der längeren Messung im Sommer ermittelte man in 57,8 Prozent der Arbeitsräume eine Luftfeuchtigkeit von unter 40 Prozent, für Plattform-Sprecher Thomas Schlatte "deshalb bedenklich, da bei Verwendung von Klimaanlagen eine relative Luftfeuchtigkeit von zumindest 40 Prozent zu erreichen ist, und dies war bei 80 Prozent der klimatisierten Büros nicht der Fall". Erhöhte CO2-Werte gab es im Sommer nur in jedem zehnten Büro. Das führt man auf die Jahreszeit, in der öfter die Fenster offen sind, und auf die eine Woche lang sichtbaren Messgeräte zurück, die an häufigeres Lüften erinnerten.

Schlechte Raumluft kann sich, so die Arbeitsmedizinerin Eva Höltl, gesundheitlich und ökonomisch auswirken - durch verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, aber auch in Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Allergien und Atemwegserkrankungen. Die Augen von Bildschirmarbeitern, die bekanntlich einen selteneren Lidschlag aufweisen, oder Kehlkopf und Stimmbänder von Lehrpersonen, die viel sprechen müssen, leiden besonders unter zu trockenen Bedingungen.

Sorgenkind Feinstaub


Die Probleme liegen aber nicht nur in der Raumluft. Denn vor allem die Feinstaubbelastung, so sie nicht von Faktoren wie Rauchen verstärkt wird, kommt vor allem von außen, sagt Jürgen Schneider vom österreichischen Umweltbundesamt. Dass die Schadstoffkonzentrationen in der Luft in Europa gesundheitsgefährdend sind, bestätigen aktuelle Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Schneider am Donnerstag mit der WHO-Expertin Marie-Eve Heroux präsentierte. Diese Studien dienen als Basis für die Überarbeitung der europäischen Luftreinhaltepolitik.

Gesundheitliche Effekte seien bei Feinstaub schon in viel niedrigeren Konzentrationen als bisher angenommen zu erwarten, sagt Schneider. Die Auswirkungen seien evident, meist auf Herz, Kreislauf, Atemwege und Lunge. Erst im Oktober hat Kurt Straif von der Internationalen Agentur für Krebsforschung, die bei der WHO angesiedelt ist, die Luftverschmutzung den Hauptverursacher von Krebs genannt. Die Lage in der Mitte Europas führt dazu, dass Österreich durch den Ferntransport bei der Feinstaubbelastung besonders betroffen ist. Aber auch in Österreich selbst sind Verursacher zu finden, vor allem Verkehr, Hausbrand und Industrie. "Wirksame Maßnahmen, die Feinstaubkonzentrationen zu reduzieren, sind Tempolimits und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Austausch alter Einzelöfen und effizientere Technologien in der Industrie," so Schneider.