Wien. Sprache und Musik sind strukturierte Systeme, mit speziellen Beziehungen beispielsweise zwischen Vokalen oder Wörtern. So ist meist an Sprachmelodie und grammatikalischer Struktur zu erkennen, ob jemand "native speaker" ist oder nicht. Kognitionsbiologen der Uni Wien haben nun gezeigt, dass die Fähigkeit, einfache strukturelle Muster zu erkennen, nicht erst in der menschlichen Evolution entstanden, sondern bereits bei südamerikanischen Totenkopfaffen vorhanden ist, wie die Forscher im Fachjournal "Biology Letters" der Royal Society berichten.

Älter als menschliche Sprache


Abhängigkeiten zwischen Vokalen, Silben, Wörtern oder Noten gibt es in Sprachen und Musikkulturen auf der ganzen Welt. So resultiert etwa die Musikalität einer Sprache aus der Anordnung von Vokalen innerhalb eines Worts. Die Wissenschafter um Tecumseh Fitch, Leiter des Departments für Kognitionsbiologie der Universität Wien, untersuchten, ob die Fähigkeit, solche Abhängigkeiten zu verarbeiten, sich erst gemeinsam mit der menschlichen Sprache entwickelt hat oder schon früher in der Evolution unabhängig vom Sprachgebrauch aufgetreten ist. "Wenn Letzteres zutrifft, sollten wir diese Fähigkeit auch bei Tierarten finden können", erklärt Studienautor Andrea Ravignani, Doktorand bei Fitch, in einer Aussendung.

Für Versuche mit Totenkopfaffen entwickelten die Wissenschafter eine Art Soundsystem, das auf die natürlichen Vokalisationen und das Hörvermögen der untersuchten Tierart aufbaut, die in sehr hohen Frequenzen miteinander kommunizieren. Aus den Reaktionen der Tiere schließen die Forscher, dass die Affen solche Abhängigkeiten wahrnehmen können. "Unsere Vorfahren könnten bereits vor 30 Millionen Jahren diese Fähigkeit erlangt haben", meinte Ravignani.