Sydney. (dpa) Der Streit um Bodenschätze in der Arktis könnte sich bald auf die andere Seite der Erde ausweiten. In der Antarktis lagern womöglich Diamanten, berichten Gregory Yaxley von der Australian National University und seine Kollegen in "Nature Communications". Die Geowissenschafter entdeckten im Osten des Kontinents Kimberlit-Gestein, das Diamanten enthalten kann.

Diamanten sind reiner Kohlenstoff und damit mit Kohle verwandt. Was sie so besonders macht, ist ihre Konsistenz: Sie entstehen nur, wenn enorm hoher Druck und große Hitze die Kohlenstoffatome so eng zusammenzwängen, dass sie eine besonders kompakte Gitterstruktur annehmen. Diese Struktur verleiht geschliffenen Diamanten ihr Feuer und ihre Transparenz und macht sie zu einem der härtesten Materialien. Die Extrembedingungen, die die Transformation ermöglichen, gibt es auf der Erde nur im Erdmantel, bei 1000 Grad Celsius und einem Druck von mehreren tausend Atmosphären.

Kimberlite erstmals in der Antarktis gefunden


Die dort vor Millionen von Jahren gebildeten Diamanten gelangten im Laufe der Erdgeschichte zusammen mit geschmolzenem Gestein an die Oberfläche. Dies geschah überall dort, wo urzeitliche Kontinente zerbrachen oder kollidierten und entlang der alten Plattengrenzen Vulkane entstanden. Die Reste der erkalteten Vulkanschlote bilden heute die Kimberlite - das Gestein, aus dem die Rohdiamanten gewonnen werden.

"Kimberlite kommen in allen Kontinenten vor, die aus dem Urkontinent Gondwana hervorgingen - Afrika, Indien, Südamerika und Australien", so Yaxley. Nur in der Antarktis wurden sie bisher nicht gefunden - bis jetzt. Die Forscher hatten Gesteinsproben entlang des Prince Charles Gebirgsmassivs in der Ostantarktis analysiert, das sich über 400 Kilometer erstreckt. Im südlichen Teil der Gebirgskette stießen sie auf 120 Millionen Jahre alten Kimberlit, dessen Vorkommen sich über 150 Kilometer zu erstrecken scheinen. Die Proben seien in Textur, Mineralogie und geochemischer Zusammensetzung typisch für klassische Kimberlite, so die Forscher. Für die Antarktis sei dies der erste Nachweis potenziell diamantenhaltiger Gesteine.

Das 1991 abgeschlossene Madrider Protokoll verbietet die Förderung von Bodenschätzen in der Antarktis bis 2041. Der Fund erhöht aber womöglich das kommerzielle Interesse an der Ausbeutung des Kontinents. Die Unterzeichner des Antarktis-Vertrags könnten sich einigen, dass ab 2041 Bodenschätze gefördert werden dürfen. Umweltschützer äußern schwere Bedenken.