Löwenpopulation steht unter Einfluss des Menschen. - © fotolia
Löwenpopulation steht unter Einfluss des Menschen. - © fotolia

Washington. Fast weltweit sind Löwen, Tiger oder Pumas in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Das habe weitreichende Auswirkungen auf die Ökosysteme, etwa auf den Artenreichtum von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen, auf Vegetation, Landwirtschaft und sogar den Klimawandel, warnt ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science". 61 Prozent der 31 größten Raubtiere sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als gefährdet eingestuft, schreiben die Forscher um William Ripple von der Oregon State University. Die Populationen von 75 Prozent dieser Arten schrumpften, ebenso wie ihre Lebensräume.

Meist seien die Folgen weithin spür- und sichtbar. In Westafrika sind mit dem Rückgang von Löwen und Leoparden die Bestände der Anubispaviane stark angewachsen. Daraufhin schrumpften die Populationen kleiner Paarhufer und Primaten, die von Pavianen gefressen werden. Außerdem bedrohten Pavian-Horden Farmtiere und machten sich über Feldfrüchte her. In den Gewässern von Südost-Alaska führte der Rückgang von Seeottern zu einem Anstieg von Seeigeln, die die Algenwälder abweideten.

Ähnliches lasse sich beim Verschwinden von Wölfen beobachten: Die Zahl von Elchen und anderen Hirschen, die viele Pflanzen fressen, steigt an. Der Rückzug der Vegetation wirkt sich wiederum auf Vögel oder kleine Säugetiere aus. In einigen Fällen seien die Veränderungen umkehrbar. Im Yellowstone-Nationalpark hätten sich einige Bereiche nach der Wiedereinführung der Wölfe rasch erholt.

Neben dem Klimawandel sei das Verschwinden der großen Raubtiere einer der bedeutendsten Einflüsse des Menschen auf die Natur - jedoch ohne große Beachtung der Öffentlichkeit zu finden. Die Forscher schlagen eine globale Initiative zum Schutz der Tiere vor. Ein Ziel sei, Akzeptanz und Toleranz der Menschen für die großen Raubtiere zu gewinnen. Denn selbst auf den Klimawandel hätten diese in einigen Ökosystemen positiven Einfluss: Sie halten Pflanzenfresser in Schach, sodass die Vegetation besser gedeihen und Kohlendioxid einlagern kann.