Wien. (ski) Selbst unter den familienpolitisch als "Musterländer" bekannten nordischen Staaten ragt der Inselstaat Island heraus. Das liegt an der im internationalen Vergleich einzigartigen Ausgestaltung der Elternkarenz sowie am Ausmaß der Beteiligung der Väter. Laut einer Studie von Gudný B. Eydal und Ingólfur V. Gislason nahmen 96,4 Prozent der isländischen Väter im Jahr 2009 Karenz in Anspruch.

Wie Sonja Blum vom Österreichischen Institut für Familienforschung in dessen Informationsdienst "beziehungsweise" im Dezember 2013 schrieb, "beinhaltet das isländische Karenzmodell alle drei Merkmale, die mit einer ausgewogenen Karenzaufteilung zwischen Müttern und Vätern in Verbindung gebracht werden".

Aufteilung wird gefördert


Erstens sei Karenz in Island gut bezahlt - mit 80 Prozent des Durchschnittseinkommens vor der Geburt bis zu einer Obergrenze von 2180 Euro pro Monat. Die Mindestleistung liegt monatlich bei Teilzeitarbeit bei 591 Euro, bei Vollzeiterwerbstätigkeit bei 820 Euro. Zweitens ist die bezahlte Karenz mit insgesamt neun Monaten (bis 2016 wird sie schrittweise auf zwölf Monate verlängert) im internationalen Vergleich von mittellanger Dauer.

Drittens gibt es spezielle Anreize für Väter. Abgesehen von Alleinerziehenden, die den gesamten Zeitraum nutzen können, fördert man eine ausgewogene Verteilung der Karenz: Waren bisher jeweils drei Monate für Mütter und Väter reserviert und für die übrigen drei Monate eine individuelle Aufteilung möglich, sollen ab 2016 Müttern und Vätern je fünf Karenzmonate zustehen, die restlichen zwei Monate können frei zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Die Väter, die bisher nur 20 Prozent der aufteilbaren Monate in Anspruch nahmen, werden so in Zukunft auf noch mehr Karenztage kommen.