Washington/Ottawa. Beim Nahrungskampf in den Ur-Ozeanen haben die frühesten Mehrzeller laut einer aktuellen Studie kräftig von ihrer Größe profitiert. Sie legten so den Grundstock für ihre Entwicklung zu größeren Tieren, berichten Wissenschafter aus den USA und Kanada im Fachmagazin "Current Biology".

Durch ihre schiere Größe konnten die mehrzelligen Organismen demnach in den prähistorischen Meeren mit den kleineren, aber eigentlich leistungsfähigeren Bakterien konkurrieren. So wuchs der Mehrzeller Ediacara biota vor 580 Millionen Jahren zu einer Größe von einem Meter heran, weil er auf diese Weise nährstoffreiche Meeresströmungen oberhalb des Ozeanbodens erreichen konnte. Marc Laflamme von der Universität im kanadischen Toronto und Astrobiologen der US-Weltraumbehörde Nasa äußern in ihrer Studie die Vermutung, dass Ediacara durch seine Größe mehr Nährstoffe aufnehmen und damit zugleich seinen durch das Wachstum gestiegenen Energieverbrauch ausgleichen konnte.

Entwicklung zur heutigen Welt besser verstehen


Für ihre Studie rekonstruierten die Forscher die Meeresströmungen in Ur-Ozeanen in einem dreidimensionalen Modell. Der wie ein Blatt geformte Ediacara-Organismus gilt als einer der ältesten großen Mehrzeller. Noch ungeklärt ist, ob er die früheste Abstammungslinie tierischen Lebens repräsentiert oder aber für eine komplett ausgestorbene Gruppe vielzelligen Lebens steht.

"Die Wissenschaft hat sich immer schwergetan, das Wachstum der frühesten Formen vielzelligen Lebens zu erklären", unterstrich Laflamme. "Die Untersuchung hilft dabei, die Entwicklung von einer durch mikroskopisch kleine Bakterien beherrschten Welt zu unserer heutigen Welt zu verstehen, auf der Tiere und Pflanzen dominieren."