Metastasierender Lungentumor mit schlecht (oben) und gut arbeitenden Killerzellen (unten). - © Imba
Metastasierender Lungentumor mit schlecht (oben) und gut arbeitenden Killerzellen (unten). - © Imba

Wien. Metastasen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten. Ihre Bekämpfung ist eine der größten Herausforderungen in der Therapie von Tumoren. Forscher des Instituts für Molekulare Biotechnologie (Imba) der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben nun einen neuartigen Mechanismus entdeckt, wie Immunzellen metastatische Tumore angreifen. Ihre Ergebnisse könnten der Grundstein zur Entwicklung einer "Pille" gegen Metastasen sein.

Das Immunsystem ist nicht nur für die Bekämpfung von Infektionen verantwortlich, sondern es spielt auch eine wichtige Rolle in der Erkennung und Zerstörung von Krebszellen. Täglich verändern sich unzählige Zellen im Körper, manche können zu Krebszellen werden. Tumorzellen werden vom körpereigenen Immunsystem erkannt und bekämpft. Die Medizin sucht daher nach Strategien, um die körpereigene Abwehr in die Krebstherapie miteinbeziehen zu können.

Wissenschafter am Imba konnten nun gemeinsam mit Kollegen aus Australien und Deutschland zeigen, dass ein körpereigenes Eiweiß namens Cbl-b eine Art molekulare Bremse für Immunzellen darstellt. Wird die Bremse gelöst, können die natürlichen Killerzellen (NK Zellen) Tumormetastasen hocheffektiv bekämpfen.

"Wenn wir das Protein Cbl-b in den natürlichen Killerzellen abschalten, werden diese sozusagen scharfgestellt: Sie verringern dann die Zahl und die Größe der Metastasen, etwa von Brusttumoren und Melanomen", fasst Erstautorin Magdalena Paolino, Postdoc in der Forschungsgruppe von Josef Penninger, die Ergebnisse der Studie zusammen, die heute im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht ist.

Die Forscher konnten einen Pfad identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der natürlichen Killerzellen reguliert. Gemeinsam mit dem Lead Discovery Center der Max Planck Gesellschaft in Dortmund haben sie ein Molekül entwickelt, dass die verantwortlichen Rezeptoren blockiert.

"Cbl-b wirkt über diese sogenannten TAM Rezeptoren wie eine molekulare Bremse auf die Killerzellen. Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül - oral verabreicht oder als Injektion - gezielt blockieren, dann werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert", betont Paolino. Das Resulatat könnte eine Pille oder eine Injektion sein, die die Bildung von Metasthasen einbremst oder sogar stoppt.

Hemmer gegen Krebs


"Metastasen sind eine der Hauptursachen, warum Krebspatienten sterben. Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es möglich sein wird, Hemmer gegen diesen und weitere Pfade zu entwickeln. So wird das Immunsystem dazu angeregt, Krebsmetastasen zu zerstören. Eine derartige Entwicklung wäre ein Heiliger Gral der Krebstherapie", beschreibt Imba-Direktor Josef Penninger, Letztautor der Studie, das Potenzial der Entdeckung.

Dennoch müssten noch weitere Experimente folgen, um die Erkenntnisse zu vertiefen und mögliche Nebenwirkungen auszuschließen, räumt er ein.

Im Zuge der Arbeit konnten die Forscher auch ein mehr als 50 Jahre altes Rätsel in der Krebstherapie lösen. Seit langem war bekannt, dass der am häufigsten eingesetzte Gerinnungshemmer, Warfarin, Tumormetastasen in Modellsystemen verringert. Der zugrunde liegende Mechanismus war aber bisher unklar. "Der anti-metastatische Effekt von Warfarin kann nun durch die Hemmung unseres neu entdeckten Cbl-b/TAM Signalweges in den NK-Zellen erklärt werden. Das ist ein Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin zu überdenken", schließt Paolino.