Wien. Physiker haben ein neues Teilchen entdeckt. Das "Dropleton" besitzt die Eigenschaften eines flüssigen Tröpfchens, gehorcht aber den Gesetzen der Welt der Quanten, die sich in der Regel nicht wie Wassertropfen verhalten.

In der Quantenwelt lösen sich Formen und Gegenstände in Atome und Elementarteilchen auf. Angeblich feste Materie entpuppt sich hier als halb Welle, halb Teilchen und kann sich an zwei Orten gleichzeitig aufhalten - die Realität hat also mindestens zwei Gesichter. Quanten-Eigenschaften lassen sich nur in Form von Wahrscheinlichkeiten erfassen. Da sie unser materielles Weltbild destabilisieren, jubeln die Physiker, wenn sie ein Teilchen dingfest machen oder gar ein neues finden.

Flüchtiges Partikel


Amerikanische und deutsche Physiker berichten nun im Fachblatt "Nature" über ein neu entdecktes "Quasiteilchen" ("quasi": so gut wie). Wie die meisten Bewohner des Elementarteilchenzoos ist auch das "Dropleton" (Quantentröpfchen) sehr flüchtig: Es lebt 25 Billionstelsekunden und ist etwa 2000 Mal so groß wie ein Wasserstoffatom. Die Wissenschafter der Universität Marburg und der University of Colorado in Boulder räumen ein, dass das "Dropleton" kein echtes Partikelchen sei, sondern nur ein Zusammenschluss von fünf negativ geladenen Elektronen und fünf positiv geladenen "Elektronenlöchern". Dennoch würde sich das Pseudopartikel energetisch so verhalten wie ein "echtes" Elementarteilchen.

Das Quantentröpfchen entsteht, wenn Halbleitermaterial aus Gallium-Arsenid mit hochenergetischem, pulsierendem Laserlicht beschossen wird. Laut den Forschern hat es keinen praktischen Nutzen. Der Wert der Entdeckung liege im besseren Verständnis optoelektrischer Prozesse. Und in der Vorstellung, dass Quanteneffekte auch in Tröpfchenform vorkommen.